Die Entwicklung der Akupunktur begann vor mehr als 4000 Jahren in China. Ein berühmter Mythos über die ersten Erfahrungen der Menschheit mit Akupunktur erzählt von einem verletzten Krieger mit einer offenen Wunde. Dieser wurde von einem Pfeil getroffen, woraufhin die Wunde heilte.
Akupunktur (Setzen von Nadeln)
Die ersten Behandlungen mit der Akupunktur werden in die Jungsteinzeit (Neolithikum) datiert. Damals wurden geschliffene Steine sowie Knochen- und Bambusnadeln benutzt, um Krankheiten zu heilen. Später entwickelte sich daraus die Therapie mit Nadeln aus Bronze, Silber und Gold.
Detailliertere Angaben über die Entwicklung der Akupunktur und der traditionellen chinesischen Medizin findet man jedoch erst mit dem Beginn der Shang-Dynastie (1766-1122 v. Chr.).
Akupunktur (Nadelung am Kopf)
Mit dem Übergang zur Zhou-Dynastie (1066-221 v. Chr.) änderte sich das Leben der Menschen. Diese Zeit war geprägt durch Kriege zwischen rivalisierenden Kleinstaaten. Die Ahnenverehrung wich dem Dämonenglauben, Glaube und Krankheitsverständnis wandelten sich. Ein Mensch war nun krank, wenn ein böser Dämon von seinem Körper Besitz ergriffen hatte. In dieser Zeit entstand auch die Moxibustion (das Erwärmen bestimmter Akupunkturpunkte mittels Verglühen von getrockneten Beifußblättern (Artemisia vulgaris) und Akupunktur (Chen-Chiu = Stechen und Brennen). Aus dieser Zeit stammen die Bezeichnungen der ersten Akupunkturpunkte durch den Arzt Pien Chio. Er ist der erste chinesische Arzt, dessen Anwendung der Akupunkturtechnik historisch nachgewiesen werden kann.
Akupunktur (Nadelung am Kopf)
Weiterhin wurde damals erstmalig das Qi definiert. Hierunter verstand man zunächst einen Dampf, der im menschlichen Körper Leben, Gesundheit, aber auch Krankheit hervorrief. Schließlich bezeichnete Qi die Lebensenergie und wurde damit zu einem Grundbegriff der heutigen traditionellen chinesischen Medizin.
In der Zeit des goldenen Zeitalters vom 5. bis 2. Jahrhundert v. Chr. versuchten die Chinesen die Welt rationaler zu verstehen und lösten sich vom Schamanenkult und vom Dämonenglauben. Es entstanden nun die wichtigsten chinesischen natur- und soziophilosophischen Gedankensysteme Taoismus und Konfuzianismus. Weiterhin wurde das umfassende und grundlegende historische Werk zur traditionellen chinesischen Medizin, Huang Di Nei Jing, das “Lehrbuch des gelben Kaisers”, geschrieben.
Die Werke des griechischen Arztes Hippokrates, der von 466 bis 377 v. Chr. lebte und als Vater der westlichen Medizin gilt, entstammen einer jüngeren Epoche. Das “Nei Jing” kann damit als das älteste medizinische Werk der Welt gelten. In Dialogform zwischen dem Kaiser und seinem Leibarzt Chi Po werden die klassischen therapeutischen und diagnostischen Prinzipien der traditionellen chinesischen Medizin beschrieben. Erstmalig finden sich genaue Anweisungen zu Akupunktur, Moxibustion, Schröpfkopfbehandlung sowie zur Zungen-, Puls- und allgemeinen klinischen Diagnostik. Außerdem wurden erstmals folgende für die TCM elementaren Modelle und Paradigmata dargestellt: Qi, Yin und Yang, die fünf Elemente und die Meridiantheorien.
Man war nun in der Lage, die beobachteten Wirkungen in der chinesischen Medizin im Rahmen eigener Theorien zu interpretieren, zu erklären und voraussagbar zu machen. Ferner schrieb der Arzt Zhang Zhong-jing (150-219 n. Chr.) damals sein Werk “Abhandlung über verschiedene Erkrankungen durch Kälteverletzung” (Shang-Han Za-Bing Lun). Hierin wird die besondere dialektische Diagnostik der chinesischen Medizin entwickelt, die bis auf den heutigen Tag Gültigkeit hat.
Ein weiterer Meilenstein in der Geschichte der chinesischen Heilkunde ist die Veröffentlichung des medizinischen Sammelwerks “Ben-Cao Gang-Mu” im Jahre 1578 durch Li Shi-Zhen. Insgesamt sind uns mehr als sechstausend chinesische Bücher überliefert, die von den verschiedensten Heilmethoden berichten und die den Ärzten Chinas bis heute als Nachschlagewerke dienen.
Bis zum 19. Jahrhundert fand eine stetige Entwicklung und Verfeinerung der chinesischen Medizin statt. Dies änderte sich mit Beginn der Opiumkriege (1840-1842). Durch die Öffnung Chinas gegenüber dem Westen wurde die westliche Medizin über Missionare nach China gebracht. Sie wurde so enthusiastisch aufgenommen, dass die traditionelle chinesische Medizin vorübergehend 1929 durch Kuo Men Tan verboten wurde. Unter Mao Tse Tung, der die Notwendigkeit einer Synthese zwischen westlicher und chinesischer Medizin erkannt hatte, wurden Forschung und Lehre der traditionellen chinesischen Medizin enorm gefördert.
Die Entwicklung der Akupunktur in der westlichen Welt beginnt im 17. Jahrhundert. Der Terminus Akupunktur ist eine zu dieser Zeit von Europäern vollzogene Wortbildung (acus = Nadel, pungere = stechen). Durch Chinareisende, welche größtenteils Jesuitenmissionare und Diplomaten waren, gelangten die ersten Akupunkturberichte in den Westen. Hierdurch kam es im 19. Jahrhundert erstmalig zum Aufblühen der Akupunktur in Frankreich. Nach Vicq d` Azyr waren es hauptsächlich Sarlandier und Cloquet, die in Frankreich praktizierten. 1826 veröffentlichte der Pariser Chirurg Jules Cloquet eine Übersicht von 300 Krankenberichten, worin er über die erfolgreiche Therapie von chronischem Rheuma, Kopfschmerzen, Allergien, Schmerzen nach Verletzungen und chronischen Entzündungen mittels dieser Behandlungsmethode berichtet. Nach der Veröffentlichung des Buchs “L`acupuncture chinoise” durch den französischen Diplomaten Soulie de Mourant begannen sich auch in England, Italien, Deutschland, der UdSSR, Österreich und der Schweiz Gruppen zusammenzuschließen, die diese Methode praktizierten und erforschten. Nixons Chinareise 1972 rückte die Akupunktur in den Blickpunkt des wissenschaftlichen Interesses.
Die somit verdeutlichte analgesierende Wirkung der Akupunktur hat die Untersuchungen zu den neurophysiologischen Wirkungsmechanismen in den letzten 20 Jahren in den Mittelpunkt der Forschungsarbeiten rücken lassen.
Akupunktur im Gesicht
In den letzten 30 Jahren entstanden folgende Sonderformen der Akupunktur: die Akupunktur des Kopfes, insbesondere der Ohrmuschel, der Nase und des Gesichts sowie die Akupunktur der Hand und die Laserakupunktur. Besondere Bedeutung erlangte die Ohrakupunktur (Auriculotherapie), die 1958 von dem französischen Arzt Nogier entwickelt wurde. Hierbei geht man von der Vorstellung aus, dass das Schema des embryonalen menschlichen Körpers sich auf die Ohrmuschel projiziert und somit die Akupunkturpunkte den entsprechenden Körperregionen zugeordnet werden können. Die Ohrakupunktur wird vor allem auf dem Gebiet der Akupunkturanästhesie sowie bei der Behandlung von Suchterkrankungen eingesetzt. In diesem Bereich wird die Akupunktur bei der Raucherentwöhnung, dem Alkohol – und Rauschgiftentzug sowie bei der Gewichtsreduktion bei Übergewicht und Fettsucht eingesetzt.
Die traditionelle chinesische Medizin versteht sich als eine ganzheitliche Heilmethode. Das bedeutet zum einen, dass der menschliche Organismus als eine organische Einheit gesehen wird, und zum anderen, dass auch die Beziehungen zwischen Mensch und Natur als eine Einheit zu sehen sind.
Akupunktur am Rücken
Die chinesische Medizin geht davon aus, dass die einzelnen Funktionseinheiten (Organe) untereinander durch die Meridiane (Jing-Luo) miteinander verbunden sind. In den Meridianen fließt nach traditioneller Vorstellung das Qi, die Lebensenergie. Die Wirkung des Meridiansystems zeigt sich an der Wechselbeziehung zwischen den einzelnen Speicher- und Hohlorganen und am Austausch zwischen den inneren Organen und anderen Körperteilen.
Krankheiten werden aufgefasst als Disharmonien in den Organen, die durch einen gestörten Energiefluss zustande kommen. Durch die Akupunktur und durch die Kräutermedizin kann dieses energetische Gleichgewicht wiederhergestellt werden.
Das System von Yin und Yang
Das Prinzip von Yin und Yang ist eine der Basistheorien der traditionellen chinesischen Medizin. Die gesamte Physiologie, Pathologie und die östliche Philosophie ist der Auffasssung, dass alle Lebewesen und alle Dinge Yin und Yang aufweisen, zwei Aspekte, die gleichzeitig Gegensatz und Ergänzung sind, und dass die Interaktionen und die ständigen Bewegungen von Yin und Yang den Ursprung der Schöpfung und der permanenten Transformation der Lebewesen im Universum darstellen. Die Begriffe Yin und Yang werden benutzt, um den immerwährenden Prozess natürlicher Veränderung zu erklären. Angewendet auf den Bereich der Medizin bedeutet dieses Gesetz, dass der Zustand vom Gleichgewicht der Gesundheit vom Yin und Yang abhängt, d.h. von der Homöostase des Lebewesens im Rahmen der Umgebung, und dass umgekehrt eine Krankheit die Folge eines Bruchs in diesem Gleichgewichtssystem ist.
Das Schriftzeichen Yin bedeutete ursprünglich die schattige Seite eines Hügels, womit solche Qualitäten wie Kälte, Ruhe, Empfänglichkeit, Passivität, Dunkelheit, Abnahme, das Innere und als Richtung das nach unten und einwärts Gehende verbunden werden.
Die ursprüngliche Bedeutung des Zeichens Yang war die sonnige Seite des Hügels. Der Begriff impliziert Helligkeit und bildet den Teil eines gebräuchlichen chinesischen Wortes für die Sonne. Yang wird mit folgenden Qualitäten assoziiert: Hitze, Anregung, Bewegung, Aktivität, Erregung, Vitalität, Licht, Zunahme, das Äußere und als Richtung das nach oben und auswärts Gehende.
Auch Krankheiten und ihre Symptome werden im Rahmen der chinesischen Medizin nach Yin und Yang eingeteilt. Typische Yang-Symptome sind z.B. heftige, akut auftretende Schmerzen, die durch Druck oder Wärme verstärkt werden, Entzündungen, Fieber sowie ein kräftiger, schneller Puls. Yin-Erkrankungen sind dagegen gekennzeichnet durch einen chronisch schleichenden Verlauf und gehen oft einher mit allgemeiner Schwäche, Müdigkeit und Kältegefühl im Körper.
Yin und Yang werden jeweils sechs Organe bzw. Meridiane zugeordnet. Die Yin-Organe werden auch als parenchymatöse oder Speicherorgane bzw. im chinesischen Zang-Organe genannt. Die sechs Yang-Organe – im chinesischen Fu-Organe – werden auch als Hohl- oder Arbeitsorgane bezeichnet.
Die fünf Wandlungsphasen
Bei dem System der “fünf Wandlungsphasen” oder “fünf Elemente” (chin.: “wu-xing”; “wu” bedeutet die Zahl fünf und “xing” heißt gehen) handelt es sich um ein Entsprechungssystem, in dem physische Abläufe oder Phänomene in “fünf Wandlungsphasen” eingeordnet werden. Im Rahmen der traditionellen chinesischen Medizin wurden verschiedenste Naturvorgänge und prozesshafte Abläufe in dieses System von fünf abstrakten Grundfaktoren eingeordnet. Es dient dazu, die ständigen Interaktionen zwischen den Lebewesen und den Dingen zu erklären und die Gesetze zu interpretieren, die ihre Evolution und ihre Transformation beherrschen. Auf die Medizin bezogen stellt sie eine generelle und simplifizierte Vorstellung von den Mechanismen dar, mit denen der Mensch sein inneres Milieu gegenüber der Außenwelt aufrechthält. Es gibt fünf Elemente, wobei jedem Element ein Yin-Organ zugeordnet wird:
Holz = Leber, Feuer = Herz, Erde = Milz/Pankreas, Metall = Lunge, Wasser = Niere.
Jedes Element bzw. jede Phase steht als Symbol für eine Kategorie verwandter Funktionen und Qualitäten. Holz symbolisiert Aktivität, die im Wachstum begriffen ist. Feuer bezeichnet einen maximalen Aktivitätszustand am Wendepunkt. Metall steht für Aktivitäten, die sich vermindern, während Wasser Aktivitäten repräsentiert, die den maximalen Ruhezustand erreicht haben. Erde hingegen beschreibt Balance und Neutralität. Darüber hinaus sind den fünf Wandlungsphasen eine Vielzahl von Qualitäten zugeordnet wie z.B. Jahreszeiten, Farben, Geschmacksrichtungen, Gefühle, Himmelsrichtungen, klimatische Faktoren, Sinnesorgane, Nahrungsmittel, Entwicklungsstufen.
Die fünf Elemente stehen in einer innigen wechselseitigen Beziehung der gegenseitigen Förderung wie auch der Hemmung bzw. Kontrolle zueinander. Jeder Faktor hat einen Gegenfaktor, jeder Faktor wird von einem anderen beherrscht und beherrscht gleichzeitig einen anderen. Es bestehen 36 mathematische Möglichkeiten, die fünf Phasen miteinander zu kombinieren, von denen aber nur wenige in der Medizin eine praktische Bedeutung haben.
Jede Wandlungsphase hat zwei Facetten: produzieren und produziert werden. Sie verhält sich wie eine “Mutter” in Beziehung zu dem Element, welches ihr in einem pentagonalen Zyklus folgt und wie ein “Sohn” in Beziehung zu dem Element, das ihr vorausgeht. So produziert das Metall beispielsweise das Wasser; das Metall ist somit die Mutter des Wasserelements. Umgekehrt wird das Metall von der Erde produziert und das Metall ist somit der Sohn der Erde.
Die detaillierten komplexen Zusammenhänge der fünf Wandlungsphasen sind von entscheidender Bedeutung für die Diagnostik und Therapie im Rahmen der traditionellen chinesischen Medizin.
Anwendungsbereiche, Wirkung der Methode
Das Indikationsspektrum der Erkrankungen, die sich gut mit Akupunktur behandeln lassen, ist sehr groß. Neben akuten und chronischen Schmerzen, bei denen die Akupunktur oft erstaunliche Erfolge zeigt, empfiehlt die WHO 41 Erkrankungen, bei denen eine Akupunkturbehandlung indiziert ist. Dazu zählen: Erkrankungen der Atemwege, Bronchien- und Lungenerkrankungen, Augenerkrankungen, Erkrankungen der Mundhöhle, Magen-Darm-Erkrankungen, neurologische und orthopädische Erkrankungen.
Es sind weltweit etwa 2000 Studien dokumentiert, die sich mit der Wirkung der Akupunktur befassen. Ein Großteil davon stammt aus China; weit über 200 Studien wurden im Westen veröffentlicht. Im Folgenden sollen die Ergebnisse der wichtigsten Studien zusammengefasst und die gefundenen Wirkungsmechanismen erläutert werden.
Physikalische Phänomene an Akupunkturpunkten
Die nach traditioneller chinesischer Vorstellung in den Meridianen fließende Lebensenergie “Qi” deutete man im Westen als elektrische Energie und führte elektrophysiologische Untersuchungen an den Akupunkturpunkten durch. Es konnte gezeigt werden, dass der Hautwiderstand an den Akupunkturpunkten niedriger ist als der der umgebenden Haut. Aufgrund dieser Erkenntnis wurden sog. Punktsuchgeräte entwickelt. Diese Geräte messen den Hautwiderstand und sind mit akustischen oder optischen Signalen ausgestattet.
Die Rolle der Endorphine und Mittelhirnmonoamine in der Akupunkturanalgesie
Die Akupunktur aktiviert Nervenfasern im Muskel, die Impulse ans Rückenmark entsenden und die drei Zentren Medulla, Mittelhirn und Hypothalamus-Hypophyse erreichen und somit eine Analgesie bewirken. Auf Rückenmarksebene werden Enkephalin und Dynorphin freigesetzt. Im Mittelhirn wird mit Enkephalin das absteigende Raphesystem aktiviert, das die Schmerzfortleitung im Rückenmark durch synergistische Wirkung der Monoamine Serotonin und Noradrenalin verhindert. Im dritten Zentrum, der Funktionseinheit Hypothalamus-Hypophyse, kommt es zur Ausschüttung von ß-Endorphin in den Liquor und ins Blut.
Kritische Würdigung der Grenzen der Methode
Die Akupunktur ist im Gegensatz zu vielen Behandlungsmethoden eine Therapie, die – wenn sie von einem erfahrenen Akupunkteur durchgeführt wird – praktisch frei von Nebenwirkungen ist. Dennoch gibt es mögliche Komplikationen, die im Folgenden dargestellt werden sollen.
Ähnlich wie bei anderen Injektionstherapien und wie bei der Blutabnahme kann es während der Akupunktursitzung v.a. bei ängstlichen und kreislaufschwachen Patienten zu einem sog. Nadelkollaps bzw. einem Ohnmachtsanfall kommen. Er tritt in ca. 5% der Fälle während der ersten Behandlungen auf. Aus diesem Grunde sollten die ersten Akupunkturbehandlungen im Liegen durchgeführt werden. Durch Entfernen der Nadeln und Hochlagerung der Beine kann die Symptomatik meist rasch gebessert werden.
Lokale Infektionen der Haut sind in der Praxis bei der Verwendung von sterilen Nadeln und Beachtung allgemeiner hygienischer Regeln fast nie zu beobachten, da die Abwehrkraft des Gewebes gegenüber einer glatten, geschlossenen Metallnadel offenbar sehr hoch ist und mögliches Keimmaterial bereits in den oberen Hautschichten abgestreift wird. Bei der Verwendung steriler Einmalnadeln ist daher eine lokale Desinfektion der Haut nicht nötig.
Anders verhält es sich bei der Ohrakupunktur, v.a. bei der Verwendung von Dauernadeln. Hierbei kann es zu Infektionen des Knorpels kommen und es sollte daher bei der Ohrakupunktur immer eine gründliche Desinfektion der Ohren vorgenommen werden.
Die Schmerzen, die beim Einstich der Akupunkturnadel in die Haut auftreten können, lassen sich durch Verwendung hochwertiger Akupunkturnadeln und einer geschickten Nadelungstechnik, wobei die Nadel schnell in die Haut eindringt, in der Regel auf ein Minimum reduzieren. Es ist wichtig, den Patienten darauf hinzuweisen, dass er sich während der Behandlungsdauer nicht bewegt, da Muskelbewegungen des Patienten zu Verschiebungen der Nadel im Gewebe und damit zu Schmerzsensationen führen können. Auch sollte man ihn darüber informieren, dass es gelegentlich zu einem stromstoßartigen plötzlich einschießenden Gefühl (De-qui-Gefühl) beim Nadeleinstich kommen kann. Dieses kann auftreten, sobald die Nadel auf den Akupunkturpunkt trifft, und es strahlt häufig entlang des entsprechenden Meridians aus.
Ein harmloses, aber relativ häufiges Phänomen ist eine kleine Blutung, die nach Entfernen der Nadel auftreten kann und meist zu einem kleinen Hämatom führt. Sie kommt zustande durch eine Läsion von Venolen. Die Gefahr, größere Venen, Arterien und Nerven zu schädigen, ist praktisch nicht gegeben, da diese sich bei der verwendeten Nadeldicke im Gewebe zur Seite rollen. Bei sehr niedrigen Quick-Wert (Marcumarisierung) und schweren Gerinnungsstörungen ist eine sichere Prophylaxe vor Blutungen nur durch den Verzicht auf die Nadelakupunktur zu gewährleisten.
Eine seltene, aber zu beachtende Komplikation der Akupunktur ist der Pneumothorax. Es ist daher bei der Nadelung von Akupunkturpunkten im Thoraxbereich v.a. bei Patienten mit Lungenemphysem auf eine möglichst geringe Einstichtiefe zu achten bzw. es sollte auf die Verwendung von Akupunkturpunkten im Thorakalbereich bei diesen Patienten verzichtet werden. Wenn nicht auf diese Punkte verzichtet wird, ist es besonders wichtig, die Patienten darauf hinzuweisen, dass sie sich nicht bewegen sollen, um die Eindringtiefe der Nadeln im Gewebe nicht zu verändern.
Bei der Übertragung von Infektionskrankheiten werden am häufigsten Hepatitiden genannt. Seit 1980 sind mindestens 84 Fälle von Hepatitiden beschrieben worden. Allerdings ist hierbei zu berücksichtigen, dass die Hygienemaßnahmen in China oft nur unzureichend sind. Durch die Verwendung steriler Einmalnadeln ist diese Nebenwirkung sicher auszuschließen.
Kontraindikationen
Die Akupunktur kann in der Regel bei Patienten jeden Alters durchgeführt werden. Bei Kleinkindern oder bei besonders schmerzempfindlichen Patienten empfiehlt sich jedoch die Verwendung besonders dünner Akupunkturnadeln oder die Anwendung einer Laserakupunktur, die völlig schmerzfrei ist.
Die Akupunktur in der Schwangerschaft muss unter zwei Gesichtspunkten betrachtet werden. Es gibt Akupunkturpunkte mit starker hormoneller Wirkung, deren Verwendung auch zu einem Abort führen kann. Solche Punkte dürfen auf keinen Fall während einer Schwangerschaft benutzt werden. Andererseits sind die Behandlung der Übelkeit während der Schwangerschaft und die Geburtserleichterung durch den Einsatz analgetischer, sedierender und wehenstimulierender Punkte eine geeignete Indikation für eine Akupunkturbehandlung.
Bei tumorösen Erkrankungen kann die Akupunktur unterstützend eingesetzt werden zur Behandlung von Schmerzen bzw. bei auftretender Übelkeit bei Chemotherapie. Es muss jedoch klar gesagt werden, dass die Akupunktur nicht zu einer Heilung von Tumorerkrankungen führt.
Zu weiteren Erkrankungen, die durch Akupunktur nicht zu heilen sind, zählen alle chronischen Erkrankungen des Nervensystems wie amyotrophe Lateralsklerose und Multiple Sklerose. Lese den gesamten Artikel hier »