Ayurveda

Entstehungsgeschichte, Prinzipien und Theorie

Ayurveda ist ein umfassendes, ganzheitliches 5000 Jahre altes Heilsystem und bedeutet wörtlich “Wissenschaft vom Leben”. Diese älteste uns bekannte Heilkunst stammt aus Indien, ist dort noch heute lebendig und versorgt 2/3 der 700 Millionen Inder. Die klassischen ayurvedischen Texte wurde von westlichen Medizinern und Wissenschaftlern neuer und moderner formuliert und als Maharishi Ayurveda weltweit bekannt. Die Leitidee in der Ayurveda-Medizin ist die Vorbeugung von Krankheiten durch gesunde Ernährung, Lebensführung und Pflanzenanwendungen. Dem zugrunde liegen die drei Regulationssysteme, die die Konstitution eines Menschen beschreiben. Sie werden Doshas genannt. Man unterscheidet den Vata-, Pitta- und Kapha-Typ. Meistens finden sich allerdings Mischtypen, bei dem das eine oder andere Dosha überwiegt.

Vata: hat einen leichten Körperbau, ist sehr begeisterungsfähig, sprunghaft, hat trockene Haut, unregelmäßigen Hunger und Verdauung, neigt zu Sorgen, Kummer und unterbrochenem Schlaf.

Pitta: hat einen mittleren Körperbau, steht für das Stoffwechselprinzip mit mittelschwerem Körperbau, guter Verdauung, bevorzugt kalte Nahrung und Getränke, neigt zu Ungeduld, Ärger und Eifersucht.

Kapha: hat einen schweren Körperbau, ölige Haut, nimmt leicht zu, hat einen tiefen, langen Schlaf und eine beständige, ruhige Persönlichkeit und eine Vorliebe für bitteres, scharfes Essen.

Grundlage der Gesundheit ist das Gleichgewicht des Doshas. Werden sie durch falsche Nahrung und äußerliche Einflüsse wie z.B. eine unregelmäßige Lebensführung aus dem Gleichgewicht gebracht, dann entstehen Krankheiten. Der Stoffwechsel wird von Agni (Feuer) und Arna (Stoffwechselschlacken) beherrscht. Ist durch eine typenfalsche Ernährung das Agni (Verdauungfeuer) zu schwach, bilden sich vermehrt Schlacken (Arna). Die Regulierung des Dosha-Ungleichgewichts ereicht man durch mineralische und pflanzliche Medikamente, die typengerechte Ernährung und typengerechte Verhaltensregeln. Die Ernährungstherapie hat einen hohen Stellenwert, da es wichtig ist, die Verdauungskraft zu stärken, was durch den Einsatz von vielen Gewürzen erreicht wird. Die Vorliebe und Abneigungen der Patienten werden sehr ernst genommen, warme Mahlzeiten werden bevorzugt. Zu viel Rohkost schwächt das Agni. Ein ausgeglichener Lebensstil mit natürlichen Rhythmen, regelmäßigen Essenszeiten und täglichen Ganzkörperölmassagen sind erstrebenswert. Die ayurvedische Pflanzenheilkunde kennt ca. 296 Pflanzen. Die Erfolge sind auch in der westlichen Medizin bekannt.

Raysamas sind Präparate aus Kräutern und Mineralien, sie werden eingesetzt, um die Doshas zu stabilisieren und gegen vorzeitiges Altern. Die Mikrozirkulation des Gewebes und der Stoffwechsel wurden nachweislich verbessert und das Immunsystem gestärkt. Panchakarma heißen die ayurvedischen Reinigungs- und Entwicklungstherapien, die sehr gezielt eingesetzt werden und auch bei uns teilweise bekannt sind. Zu den Panchkarmakuren gehören der Stirnguss (Shirodhara), der sehr entspannend und ausgleichend wirkt und bei Schlafstörungen, Hypertonie und vegetativer Dystonie eingesetzt wird. Die Wirkung in der Hirnstrommessung (EEG) ist nachweisbar. Die zweite Ölanwendung ist die Ganzkörpermassage, die gleichzeitig von zwei Masseuren mit warmem Öl durchgeführt wird.

Wirkung und Anwendungsbereiche

Die Ayurveda sieht eine Krankheit oder eine gesundheitliche Störung als einen funktionellen Ungleichgewichtszustand. Ziel ist es, diesen Zustand wieder ins Gleichgewicht zu bringen; die ayurvedische Medizin wirkt also ganzheitlich, alle Ebenen der Gesundung und Harmonisierung des Körpers werden angesprochen. Die ayruvedische Behandlung ist grundsätzlich für alle Krankheitsbilder geeignet, hauptsächlich für alle funktionellen Störungen wie Migräne, Schlafstörungen und Bluthochdruck.

Grenzen der Methode

Anders als in der westlichen Schulmedizin ist das Vorbeugen, die Prophylaxe, von Krankheiten das Hauptanliegen der ayurvedischen Medizin. Dabei werden selbst Vorlieben und Befindlichkeitsstörungen des Patienten beurteilt. Es geht um die Früherkennung möglicher Gesundheitsstörungen, ein Ansatz, der auch eine Bereicherung in der westlichen Medizin darstellen würde. Grenzen sind den Therapieerfolgen dort gesetzt, wo bereits organische Schäden aufgetreten sind, aber selbst da kann die ayurvedische Medizin noch eine Linderung der Beschwerden und ein Fortschreiten der Erkrankung erreichen. Grenzen setzen die Akutmedizin und akute psychische Krankheitsbilder. Vorsicht ist geboten bei Allergien gegen bestimmte Pflanzen und bei der Schwitzkur bei bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Auriculo-Therapie

Die Reizung von Akupunkturpunkten und von Reflexpunkten im Ohr ist wohl die älteste und am weitesten verbreitete Heilmethode der Welt. Durch Einstiche mit Nadeln an genau festgelegten Punkten des Ohrs können Störungen im Körperinneren beseitigt oder gelindert werden.

Ohrakupunktur

Die Auriculo-Therapie oder Ohrakupunktur wurde aber erst vor etwa 40 Jahren von dem franz. Arzt Paul Nogier wiederentdeckt und weiterentwickelt. Die Ohroberfläche bildet eine Reflexzone, auf der alle Organe des Körpers abgebildet sind. Man kann über die Ohrreflexzonen Schmerzen und Störfelder im Körper ausfindig machen. Störherde sind vom Patienten oft unbemerkt, wirken sich aber negativ auf den Körper und die Heilung aus. Als Störfelder werden eitrige Mandeln und Zähne, chronische Kieferhöhlenentzündungen und Narben bezeichnet, aber auch Giftbelastungen (z.B. Quecksilberbelastung durch Amalgamfüllungen). Bei der Ohrakupunktur werden drucksensible, elektrisch messbare Punkte der Ohrmuschel zur Diagnostik und Behandlung mechanisch oder elektrisch gereizt. Wenn auf der Ohrmuschel z.B. der Leberpunkt elektrisch verändert oder druckempfindlich ist, bedeutet dies eine Störung im Bereich der Leber. Neben Akupunkturnadeln können auch kleine Kügelchen, die mit einem Pflaster im Ohr befestigt werden, über einige Tage auf die Reflexpunkte angebracht werden.

Wirkung und Anwendungsbereiche

Alle Reize oder Signale, die durch Ohrakupunktur ausgelöst werden, gelangen über das Zwischenhirn zu den zugehörigen Körperteilen. Aufgrund der kurzen Reflexwege zwischen der Ohrmuschel und den Schmerzzentren des Gehirns ist die Ohrakupunktur nach Anzahl chinesischer, russischer und deutscher Forscher besonders wirksam bei Schmerzuständen.

Angewendet wird die Ohrakupunktur ähnlich wie auch die Körperakupunktur vor allem bei Erkrankungen, die auf eine gestörte Organfunktion zurückzuführen sind, bei Schmerzen, Kopfschmerzen, Migräne, Schlafstörungen, Trigeminusneuralgien, Raucherentwöhnung und Allergien.

Grenzen der Methode

Akupunktur kann Schmerzen und Beschwerden lindern, vermag aber nicht zerstörte Strukturen zu heilen (Knochenbrüche, starke Arthrosen). Auch bei akuten Krankheitsbildern wie Herzschmerzen, Koliken und Asthmaanfällen kann akupunktiert werden, aber nur ergänzend zur üblichen schulmedizinischen Behandlung. Es ist eine sehr wirkungsvolle Methode, ohne Nebenwirkungen, wenn sie von erfahrenen Therapeuten durchgeführt wird.

Aromatherapie

Entstehungsgeschichte, Prinzipien und Theorie

Zu den uralten Heilmethoden gehört die Therapie mit Duftstoffen wie Räucherharzen, Balsame und Salböle. Die Grenze zur aromatischen Nutzung von Pflanzenextrakten für religiös-magische Zwecke und hygienisch-kosmetische Anwendungen war oft fließend. Bereits in den frühesten Aufzeichnungen der Menschheitsgeschichte (Ägypten, Babylon) werden medizinische Duftanwendungen beschrieben. Diese Tradition setzte sich in allen Kulturen fort.

Durch industrielle Herstellung wurden natürliche Riechstoffe zunächst in den Hintergrund gedrängt. Seit einigen Jahren feiern natürliche Duftstoffe durch neuere Erkenntnisse der Grundlagenforschung über Aromatherapie eine Renaissance.

Wirkung und Anwendungsbereiche

Besonders die Keim tötende bzw. wachstumshemmende Wirkung von Duftölen, ihre krampf- und schleimlösende Wirkung sowie ihre Anwendung zur Wundheilung ist in wissenschaftlichen Studien untersucht und weitestgehend bestätigt worden. Die Aromatherapie als gesundheitliche naturheilkundliche Methode sieht sich bezüglich der Schulmedizin als ergänzendes Verfahren, das an die jeweiligen Therapieerfordernisse angepasst werden muss. Sie erlangt so große Bedeutung in der Psychotherapie und Psychosomatik, wo durch Dufttests Aufschluss über den aktuellen seelischen Zustand gegeben wird und durch andere Düfte eine Umstimmung erreicht werden kann. Die Wirkung auf den Organismus erfolgt einerseits über die direkte Aufnahme der Wirkstoffe über die Haut, andererseits werden Emotionen und Stimmungslagen direkt über das Riechhirn beeinflusst. Zur Anwendung sollen möglichst unverfälschte natürliche ätherische Öle kommen. Bei diesen authentischen Ölen werden auf allen Ebenen des Individuums körperlich-seelisch-geistige Impulse ausgelöst. Je nach therapeutischem Ziel werden diese Ebenen durch verschiedene Duftstoffe angesteuert und beeinflusst.

In der modernen Naturheilkunde wird die Aromatherapie bei verschiedenen Infektionskrankheiten, hormonellen Regulationsstörungen, psychischen Störungen und Stoffwechselerkrankungen eingesetzt.

Grenzen der Methode

Einige Bestandteile der ätherischen Öle können zu Reizungen von Haut und Schleimhäuten und bei Überdosierung zu ausgeprägten Vergiftungserscheinungen führen. Bei Schwangeren können bestimmte Duftstoffe eine Fehlgeburt verursachen. Organschäden bis zum Versagen der Funktion von Niere, Leber und Lunge werden besonders bei exzessiver, unkontrollierter Zufuhr beschrieben. Auch die Wirkung auf das zentrale Nervensystem kann durch Kopfschmerzen, Schwindel und Benommenheit durchaus unangenehme Folgen haben. Kleinkinder sollten nur unter besonderer Vorsicht der Aromatherapie zugeführt werden, da eine lähmende Wirkung auf das Atemzentrum durch z.B. Campher und Menthol beschrieben wurde. Insgesamt gewinnt die Aromatherapie in der Naturheilkunde zunehmend an Bedeutung. Sie sollte aber insbesondere im Hinblick auf die o.g. Nebenwirkungen und Komplikationen durch fachkundige Therapeuten zum Einsatz gebracht werden.

Apfelessig

Apfelessig wird aus dem Saft und den Pressrückständen frischer Äpfel gewonnen, die zunächst unter Luftabschluss mit Hefen alkoholisch zu Most vergoren, dann später unter Luftzutritt durch Essigsäure produzierende Bakterien zu Essig vergoren werden.

Inhaltsstoffe von Apfelessig:

Vitamine: A, B, C, E

Mineralien: Chlorid, Eisen, Fluor, Calzium, Kalium, Kupfer, Magnesium, Natrium, Phosphor, Silizium

Ballaststoff: Pektin

Apfelessig ist hinsichtlich fast aller seiner Inhaltsstoffe seinen Vorprodukten Apfelsaft und frischer Äpfel gleich oder ist daran (wie bei den Vitaminen) deutlich ärmer, nur der Gehalt an (Essig-)Säuren und einigen aus den Essigbakterien stammenden Aminosäuren liegt höher.

Wirkung:

Seine von Apfelsaft unterschiedliche Wirkung liegt in seinem Säuregehalt und damit können seine Wirkungen so erklärt werden:

Apfelessig als feuchter Umschlag:

- Abschwellend bei Zerrungen, Prellungen, Verstauchungen, sonstigen Schwellungen

- Fiebersenkend

- Juckreizstillend bei bestimmten Quallen und Insektenstichen

- Pilzhemmend

Apfelessig im Fußbad:

- Kaltes Fußbad: bei Krampfaderbeschwerden, müden Beinen

- Warmes Fußbad: bei Durchblutungsstörungen der Beine

Apfelessig als Gesundheitsgetränk:

- Durch seinen vergleichbaren Gehalt an Spurenelementen ist der Apfelessig dem Apfelsaft bezüglich des Vitamingehalte unterlegen. Auch die leicht abführende und darmregulierende Wirkung ist vom Apfelsaft gut bekannt.

- Der Apfelessig schafft durch seine Säure ein pilzfeindliches Milieu (die Säure löst jedoch auch den Zahnschmelz auf).

Apfelessig als Haarkur:

- Macht das Haar leichter kämmbar, sodass z.B. Läuse und Nissen besser entfernt werden können.

Insgesamt ist Apfelessig sehr zu empfehlen, weil er dazu benutzt wird, die wirksamen und guten Naturheilmethoden wie Umschläge, Wickel, Fußbäder, Trinkkuren, wieder beliebter zu machen und zu verbreiten. Die Beschäftigung mit Apfelessig richtet die Gedanken auch auf eine gesunde Ernährung mit Frischkost und unverfälschter Nahrung. Seine Nebenwirkungen (bzgl. Zahnschmelz) sind eher als harmlos zu betrachten.

Anthroposophische Medizin

Sie wurde zu Beginn der 20er Jahre durch Dr. Rudolf Steiner (1861-1925, Begründer der Anthrosophie) und der Holländischen Ärztin Dr. med. Ita Wegman (1876 – 1943) in Zusammenarbeit mit weiteren Ärzten entwickelt. Anliegen war, die mit den Methoden der Naturwissenschaften gefundenen Tatsachen der modernen Medizin durch geisteswissenschaftliche Forschungsergebnisse aus der Anthrosophie neu zu interpretieren und zu ergänzen. Die anthroposophische Medizin soll also nicht im Gegensatz zur “Schulmedizin” stehen, sondern sie soll die Schulmedizin erweitern, indem das anthroposophische Menschenbild mithilft bei der Beurteilung von Gesundheit und Krankheit. Entsprechend dem Weltbild der Anthropsophie sieht die anthroposophische Medizin den Menschen als vielgliedriges Wesen, bestehend aus dem physischen (körperlichen) Leib, Ätherleib (Lebensleib), Astralleib (Seele) und dem Ich (Geist). Astralleib und Ich sind so genannte “obere” Glieder, deren Entfaltung durch den Ätherleib und physischen Leib ermöglicht wird. Diese Wesensglieder haben ihre Schwerpunkte in unterschiedlichen Bereichen: im Nerven-Sinnes-System dominiert das Geistige (Ich), das rhythmische System ist die körperliche (physische) Basis des Seelischen (Astralleib), im Stoffwechselsystem ist das Leibliche-Vegetative am stärksten vertreten (Äther- und Astralleib). Die anthroposphische Medizin entstand Anfang der 20iger Jahre dadurch, dass Steiner und Wegman zusammen mit interessierten Ärzten und Pharmazeuten Wege entwickelten, um die Gedanken der oben aufgeführten anthroposophischen Menschenkunde auch in der Behandlung Kranker umzusetzen. Im Laufe der Vorkriegsjahre fand diese Bewegung immer mehr Anhänger unter den Ärzten, sodass bald Kliniken für diese Heilweise eröffnet wurden. Auch zwei pharmazeutische Unternehmen wurden gegründet, um die entsprechenden Heilmittel herzustellen. Um den Charakter der vier “Wesenglieder” des Menschen am ehesten zu verstehen, stellt man sie sich am besten als Systeme vor, in denen ein bestimmter Bereich von zusammenhängenden Gesetzmäßigkeiten wirksam ist. Diese Gesetzmäßigkeiten kann man mit den in der Natur bestehenden Gesetzen der Thermo-(Wärme-)dynamik, der Aero-(Luft-)dynamik, der Hydraulik und der Festkörperphysik sowie Aggregatzustände (fest, flüssig, gasförmig) vergleichen. Jeder Mensch hat seinen eigenen Organismus fester, flüssiger, luftförmiger und warmer Qualitäten und Eigenschaften, die er gegenüber den Umwelteinflüssen eigenständig regelt und aufrechterhält. In der anorganischen Natur (Mineralien) wirken die Gesetzeszusammenhänge allgemein. Dagegen wirken sie in Pflanze, Tier und Mensch individuell und Organismus-spezifisch unabhängig von der Umwelt. Im Folgenden werden die vier Wesenglieder kurz beschrieben. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Wesenglieder als Gesetzeszusammenhänge zugleich auch für die Gestaltbildung und Formgebung des Körpers verantwortlich sind. Die Wesensglieder sind geordnete Systeme, durch die das Menschwesen mit seinen seelisch-geistigen und leiblichen Ordnungen während des Lebens in Erscheinung treten kann. Steiner hat als Begriff für diese Ordnungen das Wort “Leib” benutzt und es definiert als dasjenige, “was einer Sache Form gibt”.

Der physische Leib ist dasjenige, was am Menschen messbar, wägbar und chemisch-analytisch quantifizierbar ist. Er vermittelt die sichtbare Raumgestalt des Menschen und kann mit Hilfe der naturwissenschaftlichen Forschungsmethoden in umfassender Weise analysiert werden. Diese physische Organisation unterliegt im Tode den analytischen Gesetzmäßigkeiten der mineralischen Natur und wird entsprechend rasch chemisch zersetzt und aufgelöst. Dabei gehen die festen, flüssigen und gasförmigen Bestandteile des Leibes ihre eigenen Wege. Erst wenn dieser rein physische (körperliche) Leib von den Gesetzmäßigkeiten des Lebendigen durchströmt und zusammengehalten wird, entsteht die menschliche Gestalt, der lebendige Mensch. Für die Gesetze der Lebendigen verwendet Steiner den Begriff “Ätherischer Leib”. Das griechische Wort “Aether” bezeichnet den von Sonne und Sternen aufgehellten Himmelsraum, der Voraussetzung für die Lebensständigkeit der Pflanzen ist, die ihre Lebensenergie durch Photosynthese von der Sonne erhalten. Steiner wollte damit deutlich machen, dass die Phänomene des Lebendigen ohne Einbeziehung der planetarischen Welt nicht verständlich sind. Die heute bekannten Tatsachen der Sonnen- und Mond-Biologie zeigen die Richtigkeit seiner Wortwahl. Die Gesetze des Lebens hindern kontinuierlich den physischen Leib an seinem Zerfall. Sie erweisen sich dadurch stärker als der Tod. Sie sind charakterisiert durch die Gesetze der Vererbung, des Wachstums, der Regenaration und der rhythmisch sich wiederholenden Funktionen des Organismus in Form von Regelkreisen und bestimmten Wechselwirkungen. Hinzu kommt die Zeit als bestimmender Faktor lebendiger Vorgänge, die wir am Tagesgang der Gestirne ablesen können. Jede Lebensäußerung ist an einen bestimmten Entwicklungs- bzw. Zeitablauf gebunden. Dementsprechend hat jedes Wesen, das einen Äther-Leib besitzt, eine spezifische Zeitstruktur. Diese Zeitstruktur ist ebenso charakteristisch wie die spezifische räumliche Gestaltung für den physischen Leib (s.o.). Zu den Kategorien und Gesetzen von Raum und Zeit tritt noch der Bereich des Bewusstseins in Form seelischen Innen-Erlebens hinzu unter dem Begriff “Astral-Leib”. Das menschliche Bewusstsein umfasst sowohl die Informationen über die Sinnes-Wahrnehmung als auch die durch das Denken zu erschließenden Möglichkeiten des geistigen Anschauens, was sich auf den gesamten Kosmos erstrecken kann. Daher benennt Steiner den Astral-Leib, einem älteren Ausdruck folgend, Aster, was so viel bedeutet wie “Stern”. Dies soll deutlich machen, dass er die Gesetze der gesamten kosmischen Ordnungen des Weltalls enthält, in die auch die Erde als Weltenkörper einbezogen ist. So hat der Astral-Leib größte Gegensätze in sich zu vereinigen, nämlich das an die Sinne und den physischen Leib gebundene “Erdenbewusstsein” und das durch das Denken mögliche “Kosmische Bewusstsein”. Die den Lebensvorgängen innewohnenden Triebkräfte werden als Begierden, Wünsche, Neigungen durch den Astral-Leib ebenso “bewusst” gemacht wie die Gesetze der Vernunft und der Moral. Sympathie und Antipathie, das heißt die innere Bewegungs-Dynamik des Gefühlslebens, sind dabei die bestimmenden orientierenden Kräfte. Diese Kräfte sind durch alles bewusste Erleben hindurch, in Freude und Schmerz, in Lust und Unlust, die stärkenden und bestimmenden Kräfte des seelischen Lebens. Wo sie sich in einem Lebewesen regen, ist individuelle Bewusstseinsentfaltung möglich. Wo Bewusstsein sich äußert, wo seelisches Leben sich regt, vollzieht sich auf der Ebene des Lebens der radikale Umschwung vom pflanzlichen zum tierischen Stoffwechsel. Die Pflanze, die nur einen Äther-Leib und keinen Astral-Leib besitzt, hat einen Aufbaustoffwechsel. Das Tier und auch der Mensch hingegen, die beides besitzen, verdanken ihre seelische Regsamkeit (Sympathie/Antipathie), ihre Bewegungsfähigkeit und das Vermögen, “Laute” von sich zu geben, ihrer Atmung mit dem dadurch möglichen verbrauchenden (Katabolen) Stoffwechsel. Die Unterscheidung grundsätzlich von Mensch und Tier und ganz besonders von Mensch und Pflanze sowie dem Mineral ist erst durch das Auftreten und Handhaben des 4. Wesengliedes möglich, nämlich der “Ich-Organisation”. Sie ist Träger des typischen menschlichen Selbstbewusstseins, womit die Fähigkeit zum lebenslangen Lernen und zur freien Selbstbestimmung verbunden ist. Was die Tiere als trieb- und instinktgebundene Wesen nur so ausleben können, wie es in ihrer Natur veranlagt ist, lernt der Mensch bis zu einem gewissen Grad zu beherrschen und sich frei verfügbar zu machen. Dies ist möglich, weil der Mensch die Gesetzmäßigkeiten der Wärme individuell handhaben und zum Ausdruck (Träger) seiner Persönlichkeit machen kann. Die höheren Tiere können das nicht! Von der Ich-Organisation aus kann der Mensch auch seine anderen Wesenglieder so beherrschen, dass letzlich auch der physische Leib ein getreues Abbild seines seelisch-geistigen Lebens wird. Aus den gesamten Aufführungen folgt: Je gesünder der Mensch ist, umso fähiger ist er, seinen Charakter und sein Wesen in allen vier Seinsbereichen bzw. Wesensgliedern zu äußern und darzustellen. Krankheit hingegen bedeutet stets ein sich Abgrenzen von Naturvorgängen, indem die Gesetze eines der Wesensglieder nicht mehr im Einklang mit den Gesetzen der anderen Wesensglieder arbeiten. Jede Störung ist daher letztlich auch mit einer Störung der Ich-Organisation verbunden. Die Wesensgliedererkenntnis ist Voraussetzung für eine neue vergleichende Forschung im Zusammenhang der Naturreiche und ihrer Beziehung zum Menschen. Der Mensch besitzt wie Mineral, Pflanze und Tier einen physischen Leib. Er hat wie Pflanze und Tier einen Ätherleib und wie das Tier einen Astralleib. Durch die Ich-Organisation wird er ihnen gegenüber jedoch zum eigenständigen Naturreich, das eine höhere Organisationsstufe besitzt.

Die Wesenglieder beim Menschen und im Naturreich:

Mineral – physischer Leib, Pflanze – Ätherleib, physischer Leib, Tier – Astralleib, Ätherleib, physischer Leib, Mensch – Ich, Astralleib, Ätherleib, physischer Leib.

Der Mensch und die Natursubstanzen unterscheiden sich also in der Zahl ihrer Wesensglieder und deren Ordnungsprinzipien. Wird der Mensch infolge einer Dysbalance seiner Wesensglieder krank, so wird er allgemein dem Wesensgefüge der Natursubstanzen ähnlich! Ist beim kranken Menschen z.B. der Ätherleib dominiert, so treten bei ihm Wachstumsprozesse auf, die von Astralleib und Ich nicht mehr ausgeglichen werden. Diese Dominanz ist bei der stets wachsenden Pflanze physiologisch, sodass bestimmte pflanzliche Heilmittel geeignet sein können, die Inbalance des Menschen auszugleichen. Die Konstitution eines Menschen, das heißt die “Veranlagung” für Gesundheit und Krankheit, wird entsprechend in der anthroposophischen Medizin durch die individuell verschiedenen labilen Gleichgewichtszustände bestimmt. Die ständige Arbeit an der Stärkung und der positiven Zusammenarbeit der Wesensglieder entspricht demnach der Gesundheit.

Jedes länger andauernde Ungleichgewicht schafft früher oder später die entsprechende Aufälligkeit für Krankheiten. Dabei lassen sich die verschiedenen Krankheiten unterschiedlich stark von der Eigenaktivität des Menschen beeinflussen. Ein weiteres wichtiges Prinzip der anthroposophischen Medizin ist die von Steiner aufgestellte “Drei-Gliederung des menschlichen Organismus”. Es handelt sich dabei um zwei entgegengesetzt tätige Systeme mit den Begriffen “Sinnes-Nerven-System” und “Gliedmaßen- Stoffwechsel-System”, die durch eine “dynamische Mitte” ausgeglichen werden. Das Zusammenwirken der beschriebenen vier Wesensglieder ist in jedem der drei Systeme unterschiedlich geordnet, wodurch schließlich deren verschiedene Funktionsweisen zustande kommen. Mit dieser Dreigliederung hat Steiner bereits 1917 einen fruchtbaren Verständnisansatz für die funktionelle Wechselwirkung zwischen den physiologisch-anatomischen Gegebenheiten und den drei Seelentätigkeiten des Menschen dargestellt: Denken-Fühlen-Wollen.

Das Sinnes-Nerven-System stützt sich auf die wachbewussten Elemente unseres Seelenlebens: Sinnes-Wahrnehmung, Vorstellen und begriffliches Denken. Es konzentriert sich entsprechend im Kopfbereich mit Sitz der wichtigsten Sinnesorgane (Seh-, Gehör-, Gleichgewichts-, Drehbewegungs-, Geruchs- und Geschmackssinn) und des Gehirns. Es handelt sich um den sog. “Bewusstseins-Pol”, der vorwiegend dem Informationsaustausch mit der Umwelt und der reingeistigen Verarbeitung – dem Denken – dient.

Das Gliedmaßen-Stoffwechsel-System als Gegenpol zum Sinnes-Nerven-System. Die Vorgänge des Stoffwechsels bleiben in der Regel unbewusst und machen sich nur bei Störungen bemerkbar. Ihr Wirkzentrum ist der Bauchraum. Funktionell gehören zu diesem System auch die mit dem Rumpf verbundenen Gliedmaßen und Geschlechtsorgane. In diesem “Stoffwechsel- und Bewegungspol” sind motorische Beweglichkeit und intensiver (chemisch aktiver) Ab- und Aufbaustoffwechsel konzentriert. Funktionell gesehen bewirkt jede bewusste Tätigkeit des Organismus Ermüdung auf der Basis physiologischen Abbaus, gleichgültig ob es sich um Sinnestätigkeit, Denken oder aktive Bewegungen handelt. Was vom Bewusstseinspol ausgeht benötigt also eine ständige Regeneration vom Stoffwechsel aus. Damit wird auch der Prozess des Alterns verständlich. Erholung, Aufbau, Regeneration der Zellen, Heilung von Wunden werden stets aus dem “Kraft-Zentrum” des Gliedmaßen-Stoffwechsel-Systems heraus bewirkt. Hier bleiben auch die beschriebenen vier Wesenglieder (Ich, Astral-, Äther- und physischer Leib) Tag und Nacht verbunden und sind im Substanzaufbau tätig. Sinnes-Nerven-System und Gliedmaßen-Stoffwechsel-System werden in ihrer Polarität durch das dritte Glied, die Atmung und Kreislauftätigkeit, im “mittleren Menschen” rhythmisch verbunden und wieder getrennt und dadurch immer wieder aktiv zum Ausgleich gebracht. Das Herz hat als muskuläres Organ eine Eigenbewegung und ist über das Blut mit allen Stoffwechsel- und Bewegungsvorgängen verbunden. Brustkorb, Lunge und Herz schaffen zusammen den Ausgleich zwischen “oberem” und “unterem” Pol. Die polaren Kräfte von Ruhe und Bewegung, beschaulicher seelischer Innentätigkeit und aktiver umweltgerichteter Außentätigkeit sind so durch die ausgleichende Funktion der “Mitte” harmonisch verbunden. Als Polarität der menschlichen Organisation ergibt sich zusammenfassend auf der einen Seite das Sinnes-Nerven-System mit: Nervenprozessen, Regenerationsmangel, Vorherrschen der Abbaukräfte und Alterungsprozessen, Wahrnehmung und Wach-Bewusstsein, Vorstellungsleben; das Denken auf der anderen Seite ist das Gliedmaßen-Stoffwechsel-System mit Stoffwechselprozessen, Regeneration, überwiegend Aufbaukräften und Verfügungstendenzen, Schlafbewusstsein, Willens-Leben und in der Mitte das rhythmische System mit rhythmischen Vorgängen, Vermittlung von Abbau- und Aufbauvorgängen, träumendes Bewusstsein, Gefühlsleben. Die beschriebenen vier Wesensglieder sind zeitlebens im Stoffwechsel-Gliedmaßen-System verankert. Dabei sind tagsüber Astral-Leib und Ich-Organisation nur lose mit dem Nerven-Sinnes-System verbunden und in der Schlafenszeit vollständig davon getrennt. Die vier Wesensglieder arbeiten in der Mitte rhythmisch zusammen. Mit jeder Einatmung verstärkt sich die Verbindung der beiden Wesenglieder-Paare (Ich/Astralleib bzw. Äther- und physischer Leib), um sich mit jeder Ausatmung entsprechend wieder zu lösen. Weinen und Lachen sind hierfür ein charakteristischer Ausdruck. Lachen befreit Astralleib und Ich-Organisation für die bewusste Tätigkeit. Weinen hingegen zieht die Wesensglieder tiefer in den Organismus hinein und stimmt damit das Gedanken- und Gefühlsleben herab bis zum Extremfall seelischer Starre oder dem “Wie ausgestorben”-Sein. Mit Hilfe der aufgeführten Drei-Gliederung können die Funktionen des Leibes in Gesundheit und Krankheit differenzierter verstanden werden. Der Anatom J. Rohen hat seine Lehrbücher für die Medizinstudenten ganz auf diesem Erkenntnisansatz aufgebaut (1971, 1975). In jedem Organsystem, Einzelorgan, Gewebe, ja bis in den Aufbau der Einzelzelle hinein können die drei Systeme in ihrer jeweils typischen Ordnung und Krafttendenz wahrgenommen und wiedergefunden werden. Überwiegt einer der Pole in einem Organ oder Funktionsbereich in seiner Eigendynamik, so erkrankt der Mensch. Erfährt der entgegengesetzte Pol eine entsprechende Stärkung oder wird durch entsprechende Maßnahmen das rhythmische System in seiner ausgleichenden Funktion gestärkt, so kann Heilung eintreten. Die Drei-Gliederung des menschlichen Organismus ist jedoch nicht nur für das Verständnis von Krankheitstendenzen und Gesundheitsprozessen wesentlich. Vielmehr führt sie auch zu einem weiter gehenden Verständnis des Leib-Seele-Zusammenhangs. Durch die dreigliedrige Betrachtung des Menschen wird deutlich, dass das Leben der Seele im ganzen Menschen seinen “Sitz” hat und nicht nur in erster Linie im Nervensystem entsprechend der “üblichen” Auffassung. Welchen Beitrag die verschiedenen Organe und Organsystem mit ihren Funktionen für die Entfaltung der Seelentätigkeiten leisten, gehört zu den spezifischen Forschungsaufgaben der antroposophischen Medizin.

Wirkung und Anwendungsbereiche

Ziel der anthroposophischen Medizin ist, die gestörte Harmonie der Wesensglieder wiederherzustellen. Heilung beruht dabei wesentlich auf einer Aktivierung der natürlichen Heilungskräfte. Dazu bedient sich die anthroposophische Medizin vieler Heilmittel, die der Natur, und zwar den angesprochenen Bereichen, Mineralien/Metalle, Pflanzen und Tiere, entnommen sind. In ihnen spiegelt sich die “Wesensverwandschaft” zwischen dem Menschen und den Naturreichen wider, man sagt auch der Amkrokosmos im Mikrokosmos. Die verwendeten Pflanzen, Mineralien oder Tiere sprechen die menschlichen Organe urbildkraft an und fördern dadurch Regenerations- und Heilungsprozesse. Sie richten sich daher nicht gegen isolierte Erkrankungen, sondern stützen die Heilung eines ganzen Organs. Die pharmazeutische Verarbeitung der Natursubstanzen kann erst die verborgenen Heilkräfte für den Menschen aufschließen. Besondere Sorgfalt wird dabei auf die Auswahl und Verarbeitung der Ausgangsstoffe gelegt. Hierzu gehören der weitgehende Verzicht auf chemisch-synthetische Verfahren und die schonende, natürliche Verarbeitung der Rohstoffe. Die Arzneiwahl erfolgt in der anthroposophischen Medizin entsprechend dem Wesensbild der Erkrankungen bzw. des kranken Organs und der dazu passenden Substanz oder Pflanzen. Um die Wesensähnlichkeit einer natürlichen Substanz mit menschlichen Lebensprozessen oder Stoffwechselvorgängen und Organen zu verstehen, ist eine gute Kenntnis der biologischen, mineralischen und menschlichen Entstehungsvorgänge nötig. Diese Zusammenhänge kann man am besten an einigen Beispielen aufzeigen. Das Arzneimittel Hepatodoron enthält als Rohstoff den Weinstock und die Walderdbeere. Der Wein als besonders Zucker herstellende Pflanze “verkörpert” den Leberstoffwechsel, der sich mit seinen Eiweiß verbreitenden Eigenschaften auch in der Walderdbeere wiederfindet. Von beiden Pflanzen werden die Blätter verwendet, die – entsprechend der Leber beim Menschen – im besonderen Maße Stoffwechselorgane des Pflanzenorganismus sind. Dementsprechend ist Hepatodoron nicht nur bei bestimmten Lebererkrankungen, sondern allgemein zur Wiederherstellung der Leberfunktion geeignet. Ähnlich spiegeln im Medikament Cardiodoron die Pflanzen (Primel, Edeldistel, Bilsenkraut) die Merkmale der Herz- und Kreislauftätigkeit wider, sodass es bei entsprechenden Erkrankungen bzw. Funktionsstörungen eingesetzt werden kann. Einige der anthoprosophischen Heilmittel haben inzwischen auch Einzug in die Schulmedizin gehalten. Dabei ist besonders die Mistel (in Iscador/Helixor) hervorzuheben, die immer regelmäßiger und häufiger in der Therapie von Malignomen eingesetzt wird. Ihre immunstimulierende Wirkung ist belegt. Steiner hat die Mistel erstmals in Beziehung zur Krebskrankheit gebracht. Er hat die Entstehung bösartiger Erkrankungen geisteswissenschaftlich begründet und aus dieser Begründung die entsprechendeTherapie angegeben. Die Wirksamkeit der Misteltherapie zeigt sich daran, dass “Astralleib” und “Ich-Organisation” in ihrer Aktivität verstärkt werden und sich wieder mehr mit dem “Ätherleib” verbinden können. An der Geschwulst zeigt sich dies im glücklichen Fall durch Wachstumsstillstände und Rückbildungen. Auf der Ebene der Befindlichkeit zeigt sich die Wirkung durch ein auftretendes Gesundungsgefühl und neue Lebenskraft als Ausdruck, dass der “Ätherleib” wieder in der richtigen Weise zur Wirksamkeit gekommen ist. Die Normalisierung der physiologischen Funktion von Atmung, Zirkulation, Verdauung und Ausscheidungen sind deutlicher Ausdruck der verstärkten “Astralleib”-Wirkung. Auf körperlicher Ebene kommt es zu neuer Lebensfreude sowie Nachlassen von Angstgefühlen und Antriebsschwäche. Das wieder stärkere Eingreifen der Ich-Organisation wird an der Erhöhung der Basalttemperatur sichtbar. Auf geistiger Ebene zeigen die so Behandelten wieder Initiative und neues Interesse an ihrer Umgebeung. Die umfassende Wirksamkeit der Mistel wird durch die besonderen Verfahren der Herstellung erreicht, die von Dr. Steiner ganz genau festgelegt wurden. So wird die Qualität des Produkts bestimmt durch die Pflückzeiten im eigenen Jahresrhythmus der Mistel (Sommer und Winter), die besondere Verarbeitung der Pflanzen bzw. der Pflanzensäfte (aus Beeren, Blüten, Blättern, Stengeln) und ihrer Mischung. Ein ganzheitliches Verständnis des Menschen erfordert einfach die Verbindung der Forschungsergebnisse von Naturwissenschaft, Psychologie und Geisteswissenschaft. Dabei bildet die anthroposophische Medizin mit ihrer Wesensglieder-Erkenntnis ein hilfreiches Verbindungsglied. Denn die anthroposophische Medizin umfasst nicht nur eine leibliche (körperliche), sondern ebenso die seelische und geistige Therapie. Dementsprechend wird die Behandlung mit Medikamenten ergänzt durch die künstlerische Therapie, wie Musizieren, Malen, plastisches Gestalten, Sprachtherapie und ganz besonders die Heileurythmie. Die Heileurythmie ist eine Therapie, bei der Wörter, Laute und Melodien in Bewegung umgesetzt werden. Dabei entspricht das Üben von gesunden, typisch normalen (griechisch “Eu”-) Bewegungen (Eu-Rhythmus) einem bewussten Erlernen und Ergreifen der Gesetzmäßigkeiten seines “ätherischen Leibes” (Lebensleib). Allgemein werden die künstlerischen Therapieformen mit den Indikationen angewendet, die sich aus der anthroposophischen Menschenkunde und dem anthroposophischen Krankheitsverständnis ergeben. Ein Grundwesenszug der Kunst liegt dabei im Aufnehmen und Gestalten der Beziehungen des Menschen zu seiner Innenwelt und Umwelt. Der Mensch erlebt sich dabei schöpferisch tätig mit den Qualitäten der Welt und seiner eigenen Seele gleich Stoff, Farbe, Klang, Bewegung, Sprache, Denken und Fühlen. Sowohl durch die künstlerische Tätigkeit als auch durch künstlerisches Erleben und Genießen werden dem Menschen diese Qualitäten bewusst und dadurch handhabbar gemacht. Die psychosomatische Medizin ist ein weiterer Anwendungsbereich. Sie beschreibt in vielen Details die gegenseitige Abhängigkeit von Seele und Leib und die seelische Verursachung von Krankheit sowie die Rückwirkungen körperlicher Krankheitsvorgänge auf das seelische Erleben. Allerdings fehlen hier noch definierte Begriffe, um diese Wechselbeziehungen nicht nur zu verstehen, sondern auch konkret zu beschreiben. Hierzu bietet sich die anthroposophische Begriffsbildung geradezu an. Auch hier kann die Schulmedizin durch die Anthroposophie erweitert werden. Durch das Einbeziehen der Persönlichkeit in das Krankheitsgeschehen wird das Verhältnis zwischen Arzt und Patient gestärkt. Der Kranke findet sich in seiner Menschenwürde und Selbstverantwortlichkeit angesprochen und ist leichter motivierbar, sich aktiv für die Überwindung seiner Krankheit einzusetzen. Die Wirkung der anthroposophisch erweiterten Psychatrie hat vier Ansatzpunkte. Die Äußeren Anwendungen Einreibungen, Wickel, Bäder, Massagen, Gymnastik zur Aktivierung und Rückführung von Lebenskräften an den “physischen Leib” und seine Organe. Auf diese Weise sollen die körperlichen und “ätherischen” Strukturen wieder stärker an den “Leib” gebunden und von einer krank machenden Übertragung ins Seelenleben zurückgehalten werden. Heilmittel vorwiegend aus dem Mineral- und Pflanzenbereich. Sie sollen die Organe wieder aufnahmefähig machen für ein angemessenes Wirken der Wesensgliederkräfte. Gesprächstherapie mit dem Ziel, den gesunden Wesenskern des Menschen, sein Ich, anzusprechen und dadurch zu stärken. Der Patient kann so lernen, seine psychische Krankheit von Innen heraus zu erkennen und anzunehmen und Schritte der Krankheitsbewältigung zu üben. Gezielte Anwendung von künstlerisch therapeutischen Übungen in den Bereichen plastisch therapeutisches Gestalten, Maltherapie (einschließlich Zeichnen), Musiktherapie, therapeutische Sprachgestaltung und Heileurythmie.

Grenzen der Methode

Aus dem bisher Dargestellten geht hervor, dass das Erkenntnisbemühen des anthroposophischen Arztes immer darauf ausgerichtet ist, das “Wesensglieder-Wirken” im Körper zu erfassen, d.h., im Krankheitsfall die Verschiebungen durch körperlich (“leiblich”) sich ausdrückende Systeme und Wirkungen zu erkennen. Das therapeutische Vorgehen orientiert sich dabei an dem Grundsatz ” So schonend wie möglich und so eingreifend wie nötig”. Das ist nicht nur eine Frage der Dosierung, sondern vor allem eine solche der Methode! Und hier liegen auch die Grenzen. In der anthroposophischen Medizin sollen die Selbstheilungskräfte angesprochen werden, sodass der Organismus aus eigener Kraft seine Ordnung wiederherstellen kann. Sobald ein akutes, perakutes oder chronisches Krankheitsbild dem Menschen die körperliche Grundlage für diese Selbstheilungskräfte entzieht, muss erst durch die “Schulmedizin” eine gesunde Basis geschaffen werden, sei es bei einem fieberhaften, ggf. Antibiotika-pflichten Infekt oder ganz besonders natürlich in der Notfallmedizin. Bei chronischen Erkrankungen, bei denen organische Veränderungen so weit fortgeschritten sind, dass eine Regeneration nicht mehr möglich ist, kann die anthroposphische Medizin “nur” begleitend eingesetzt werden. Dazu zählen insbesondere alle degenerativen Erkrankungen. Ein Mangel an lebenswichtigen Stoffen, z.B. der Insulin-Mangel beim Diabetes, muss natürlich “schulmedizinisch” ersetzt werden. Alle Krebserkrankungen mit schwerer Beeinträchtigung des Allgemeinzustands müssen erst “schulmedizinisch” stabilisiert werden, bevor man versuchen kann, über die Selbstheilungskräfte die eigene Immunabwehr zu stärken. Allgemein ausgedrückt: Welche Therapieform man auswählt, hängt ab von der Erkrankung, ihrer Schwere, dem Alter des Patienten, seinem Kräftezustand, seiner Konstitution und seiner Möglichkeit zur Mitarbeit beim Gesundwerden ab. Es ergibt sich aus dem Wesen der anthroposophischen Therapierichtung, dass entsprechend ihrer umfassenden, vielschichtigen Betrachtungsweise des kranken Menschen oftmals mehrere Heilmittel gleichzeitig verwendet werden müssen. Darüber hinaus wird die medikamentöse Therapie auch durch andere Maßnahmen wie Verhaltensregeln, Berücksichtigung der Rhythmik des Tagesablaufs, Grad der körperlichen Belastung, Diät oder durch künstlerische Therapie und Heileurythmie dem therapeutischen Ziel entsprechend ergänzt. Dadurch ist die therapeutische Anwendung der anthroposophischen Medizin an bestimmte Umgebungssituationen (Klinik, Sanatorium, Kuraufenthalt) gebunden und wesentlich abhängig von der “ärztlichen Erfahrung”. Ob das therapeutische Ziel erreicht worden ist oder nicht, hängt von der subjektiven Beurteilung von Arzt und Patient ab. Die Wirksamkeit ist dabei ein wertender Begriff. Sie misst sich am Grad der Heilung, Besserung oder Linderung eines Krankheitszustands, einer körperlichen oder seelischen Beschwerde oder Verhinderung bzw. Verschlimmerung einer Krankheit. Wirksamkeit ist die Summe aller erwünschten Einzelwirkungen. Durch die vielen komplexen und subjektiven Beurteilungskriterien ist ein Wirksamkeitsnachweis der Methode sehr erschwert. Die Beurteilungskriterien sind deshalb seit wenigen Jahren Gegenstand des Forschungsauftrags an der Universität Herdecke, um der ärztlichen Handlungsweise einen systematischen Rahmen geben zu können und dafür angemessene Verfahren zu entwickeln. Anthroposophische Medizin ist die geisteswissenschaftliche Erweiterung der naturwissenschaftlichen Medizin. Aus diesem Selbstverständnis ergibt sich, dass der anthroposophische Arzt alle objektiven schulmedizinischen Parameter bei seiner Diagnosefindung vollständig mit einzubeziehen hat. Er geht jedoch mit den Ergebnissen dieser Untersuchung anders um als der Schulmediziner und bewertet sie entsprechend dem beschriebenen anthroposophischen Menschenbild. Außerdem wird das subjektive Befinden des Patienten gemäß dem Zusammenwirken der “Wesensglieder” ausgewertet. Das erfordert eine umfassende Befragung der Vorgeschichte mit den Vorerkrankungen, den akuten Erkrankungen, der Biographie sowie den Lebensgewohnheiten und inneren wie äußeren Lebensumständen. Hierdurch wird es möglich, die Persönlichkeit des kranken Menschen und seine Umwelt zu erfassen, wodurch die Krankheitsbeschwerden ihre individuelle Wertigkeit erhalten, die dem Arzt letztlich die angemessene Behandlung ermöglicht. Unter dem Aspekt des dreigliedrigen Menschen ist es z.B. wichtig zu wissen, über welche Ausgleichmöglichkeiten der Patient in seinem “rhythmischen System” verfügt. Hier geben Fragen nach Störungen des Schlaf- und Wach-Rhythmus, der Nahrungsaufnahme (den Mahlzeiten) oder der Ausscheidungszeiten wichtige Hinweise. Die klinische Untersuchung wird besonders im Hinblick auf die “Wesensglieder-Aktivität” erweitert. Erfassen der Gestalt Krankheit: gebückt, aufrecht, kraftvoll, altersgemäß, überwiegend von Abbau- oder Aufbauvorgängen, sind sie im Gleichgewicht, sind die Bewegungen gehemmt, einseitig betraut, harmonisch frei, ist der Gang schwer oder leicht? All dieses zielt auf die Erkenntnis des “Wesengliedergefüges”, wie es sich in der Gesamtgestalt ausdrückt. Inspektion der Haut: Turgor, leichte Ödeme? Als Ausdruck einer nachlassenden Aktivität des “Äther-Leibes”. Muskulatur: Tonus, Spannung, Dystronien als Ausdruck seelischer Spannungen (Hinterfragen), Wärmeverteilung über den Organismus, einschließlich subjektives Wärme- und Kälteempfinden in Bezug auf den Körper? Das Arbeiten der “Ich-Organisation” im Leibe drückt sich in der Wärmeverteilung sowie in der Zielgerichtetheit der Bewegungen und der Zusammenarbeit der körperlichen Funktionen aus. Methodisch wird also von vornherein das “Subjekt” Patient umfassend in die Diagnosefindung mit einbezogen, damit die objektiven Befunde dazu entsprechend geordnet und bewertet werden können. Aus dieser Beschreibung des diagnostischen Vorgehens wird deutlich, wie differenziert und umfangreich eine entsprechende wissenschaftliche auswertbare Dokumentation sein müsste. Dies ist bei den durch die Stellenpläne gegebenen Arbeitsbedingungen in den Kliniken nicht leistbar, ebenso wenig im überfüllten Praxisbetrieb. Es ist auch grundsätzlich zu fragen, wie auf dem Hintergrund dieses therapeutischen Ansatzes die Aussagekraft einer klinischen Studie oder einer Doppelblindstudie zu bewerten ist. Es wird jedoch an den methodischen Grundlagen einer Dokumentation von anthroposophisch ärztlich betreuten Patienten gearbeitet. Befriedigende Ergebnisse, die den derzeitigen wissenschaftlichen Kriterien entsprechen, liegen allerdings noch nicht vor.

Akupressur

Die Akupressur baut auf dem Wissen der jahrtausendealten traditionellen chinesischen Medizin (TCM) auf. Es ist anzunehmen, dass die Akupressur eine der ältesten Heilmethoden überhaupt ist und die Akupunktur aus ihr hervorgegangen ist.

Bei kranken Menschen wurde festgestellt, dass nicht nur der erkrankte Körperteil schmerzt, sondern auch andere Körperbereiche bei Berührungen eigenartig empfunden werden. Ohne die wissenschaftliche Grundlage zu erkennen, ging daraus die Entdeckung hervor, durch Reizung spezieller Punkte dieser Körperteile Beschwerden zu lindern und Krankheiten zu heilen. Daraus resultiert die Therapie der Akupressur, der europäische Begriff für die chinesische “Fingerdruckmassage”.

Prinzipien und Theorie der Methode

Akupressur

Die traditionelle chinesische Medizin postuliert eine im Organismus auf bestimmten Bahnen (Meridianen) zirkulierende Lebensenergie (Qi), welche allen Funktionen des Körpers steuernd übergeordnet ist. Fehlfunktionen des Organismus können daher auf Störungen in diesem Energiekreislauf zurückgeführt werden.

Diese Erkenntnis wird diagnostisch und therapeutisch genutzt. Eine weitere Grundlage der chinesischen Medizin ist die Einheit des Äußeren und Inneren des Körpers wie auch die Einheit von Körper und Seele. Ebenso ist der Mensch untrennbar mit Natur und Umwelt verbunden.

Beschwerden und Krankheiten sind daher immer Zeichen einer Störung des Gesamtorganismus. Wichtige Begriffe in der chinesischen Medizin sind “Yin und Yang”, zwei gegensätzliche polare Kräfte, die sich dennoch ergänzen. Gesundheit ist die harmonische Einheit dieser Kräfte, Mangel oder Übermaß eines dieser Kräfte führt zu Krankheit. Zusammenfassend besteht die therapeutische Grundidee der Akupressur in dem Ausgleich der gestörten Körperenergien und dem Wiederherstellen des Gleichgewichts zwischen Yin und Yang. Da die Energie auf definierten Bahnen läuft, kann durch Druck auf festgelegte Punkte auf diesen Energiebahnen (Meridianen) ein Energieausgleich hergestellt werden. Damit wird die Harmonie im Kreislauf der Lebensenergie und somit das ordnende Prinzip im Organismus reguliert. Die Energiebahnen sind in zwölf Hauptmeridiane an der Vorder- und Hinterseite des Körpers sowie in zwei weitere Meridiane in der Körpermitte eingeteilt.

Anwendungsbereiche

Die Akupressur ist vielfältig einsetzbar insbesondere bei:

- Chronischen Schmerzen (Kopf, Rücken, Gelenke)

- Erkrankungen des Bewegungsapparats

- Verdauungsstörungen

- Hormoneller Dysbalance

- Vegetativen Erkrankungen

- Erkrankungen der Atmungsorgane, des Stoffwechsels und des Kreislaufs

Da die Akupressur die Selbstheilungskräfte anregt, eignet sie sich insbesondere zur Therapie funktioneller Störungen jeder Art.

Wirkungen der Methode

Die therapeutische Beeinflussung des Energiekreislaufs des Menschen über die Akupressur hat ihre Wirksamkeit millionenfach empirisch bewiesen. Der wissenschaftlichen Forschung ist es jedoch nur in Grundzügen gelungen, dieses energetische System zu objektivieren. Wissenschaftlich nachgewiesen wurde eine Beeinflussung der Endorphinsynthese, einer körpereigenen opiatähnlichen Substanz durch Akupunktur. Des Weiteren wird auf Rückenmarksebene die Schmerzweiterleitung beeinflusst. Auch Botenstoffe (z.B. Serotonin) werden ausgeschüttet. Die Akupunkturpunkte wurden ebenfalls als Gefäßnervenbündel elektronenmikroskopisch gefunden. Der Nachweis der Meridiane steht jedoch noch aus. Lese den gesamten Artikel hier »

Akupunktur

Die Entwicklung der Akupunktur begann vor mehr als 4000 Jahren in China. Ein berühmter Mythos über die ersten Erfahrungen der Menschheit mit Akupunktur erzählt von einem verletzten Krieger mit einer offenen Wunde. Dieser wurde von einem Pfeil getroffen, woraufhin die Wunde heilte.

Akupunktur (Setzen von Nadeln)

Die ersten Behandlungen mit der Akupunktur werden in die Jungsteinzeit (Neolithikum) datiert. Damals wurden geschliffene Steine sowie Knochen- und Bambusnadeln benutzt, um Krankheiten zu heilen. Später entwickelte sich daraus die Therapie mit Nadeln aus Bronze, Silber und Gold.

Detailliertere Angaben über die Entwicklung der Akupunktur und der traditionellen chinesischen Medizin findet man jedoch erst mit dem Beginn der Shang-Dynastie (1766-1122 v. Chr.).

Akupunktur (Nadelung am Kopf)

Mit dem Übergang zur Zhou-Dynastie (1066-221 v. Chr.) änderte sich das Leben der Menschen. Diese Zeit war geprägt durch Kriege zwischen rivalisierenden Kleinstaaten. Die Ahnenverehrung wich dem Dämonenglauben, Glaube und Krankheitsverständnis wandelten sich. Ein Mensch war nun krank, wenn ein böser Dämon von seinem Körper Besitz ergriffen hatte. In dieser Zeit entstand auch die Moxibustion (das Erwärmen bestimmter Akupunkturpunkte mittels Verglühen von getrockneten Beifußblättern (Artemisia vulgaris) und Akupunktur (Chen-Chiu = Stechen und Brennen). Aus dieser Zeit stammen die Bezeichnungen der ersten Akupunkturpunkte durch den Arzt Pien Chio. Er ist der erste chinesische Arzt, dessen Anwendung der Akupunkturtechnik historisch nachgewiesen werden kann.

Akupunktur (Nadelung am Kopf)

Weiterhin wurde damals erstmalig das Qi definiert. Hierunter verstand man zunächst einen Dampf, der im menschlichen Körper Leben, Gesundheit, aber auch Krankheit hervorrief. Schließlich bezeichnete Qi die Lebensenergie und wurde damit zu einem Grundbegriff der heutigen traditionellen chinesischen Medizin.

In der Zeit des goldenen Zeitalters vom 5. bis 2. Jahrhundert v. Chr. versuchten die Chinesen die Welt rationaler zu verstehen und lösten sich vom Schamanenkult und vom Dämonenglauben. Es entstanden nun die wichtigsten chinesischen natur- und soziophilosophischen Gedankensysteme Taoismus und Konfuzianismus. Weiterhin wurde das umfassende und grundlegende historische Werk zur traditionellen chinesischen Medizin, Huang Di Nei Jing, das “Lehrbuch des gelben Kaisers”, geschrieben.

 

Die Werke des griechischen Arztes Hippokrates, der von 466 bis 377 v. Chr. lebte und als Vater der westlichen Medizin gilt, entstammen einer jüngeren Epoche. Das “Nei Jing” kann damit als das älteste medizinische Werk der Welt gelten. In Dialogform zwischen dem Kaiser und seinem Leibarzt Chi Po werden die klassischen therapeutischen und diagnostischen Prinzipien der traditionellen chinesischen Medizin beschrieben. Erstmalig finden sich genaue Anweisungen zu Akupunktur, Moxibustion, Schröpfkopfbehandlung sowie zur Zungen-, Puls- und allgemeinen klinischen Diagnostik. Außerdem wurden erstmals folgende für die TCM elementaren Modelle und Paradigmata dargestellt: Qi, Yin und Yang, die fünf Elemente und die Meridiantheorien.

Man war nun in der Lage, die beobachteten Wirkungen in der chinesischen Medizin im Rahmen eigener Theorien zu interpretieren, zu erklären und voraussagbar zu machen. Ferner schrieb der Arzt Zhang Zhong-jing (150-219 n. Chr.) damals sein Werk “Abhandlung über verschiedene Erkrankungen durch Kälteverletzung” (Shang-Han Za-Bing Lun). Hierin wird die besondere dialektische Diagnostik der chinesischen Medizin entwickelt, die bis auf den heutigen Tag Gültigkeit hat.

Ein weiterer Meilenstein in der Geschichte der chinesischen Heilkunde ist die Veröffentlichung des medizinischen Sammelwerks “Ben-Cao Gang-Mu” im Jahre 1578 durch Li Shi-Zhen. Insgesamt sind uns mehr als sechstausend chinesische Bücher überliefert, die von den verschiedensten Heilmethoden berichten und die den Ärzten Chinas bis heute als Nachschlagewerke dienen.

Bis zum 19. Jahrhundert fand eine stetige Entwicklung und Verfeinerung der chinesischen Medizin statt. Dies änderte sich mit Beginn der Opiumkriege (1840-1842). Durch die Öffnung Chinas gegenüber dem Westen wurde die westliche Medizin über Missionare nach China gebracht. Sie wurde so enthusiastisch aufgenommen, dass die traditionelle chinesische Medizin vorübergehend 1929 durch Kuo Men Tan verboten wurde. Unter Mao Tse Tung, der die Notwendigkeit einer Synthese zwischen westlicher und chinesischer Medizin erkannt hatte, wurden Forschung und Lehre der traditionellen chinesischen Medizin enorm gefördert.

Die Entwicklung der Akupunktur in der westlichen Welt beginnt im 17. Jahrhundert. Der Terminus Akupunktur ist eine zu dieser Zeit von Europäern vollzogene Wortbildung (acus = Nadel, pungere = stechen). Durch Chinareisende, welche größtenteils Jesuitenmissionare und Diplomaten waren, gelangten die ersten Akupunkturberichte in den Westen. Hierdurch kam es im 19. Jahrhundert erstmalig zum Aufblühen der Akupunktur in Frankreich. Nach Vicq d` Azyr waren es hauptsächlich Sarlandier und Cloquet, die in Frankreich praktizierten. 1826 veröffentlichte der Pariser Chirurg Jules Cloquet eine Übersicht von 300 Krankenberichten, worin er über die erfolgreiche Therapie von chronischem Rheuma, Kopfschmerzen, Allergien, Schmerzen nach Verletzungen und chronischen Entzündungen mittels dieser Behandlungsmethode berichtet. Nach der Veröffentlichung des Buchs “L`acupuncture chinoise” durch den französischen Diplomaten Soulie de Mourant begannen sich auch in England, Italien, Deutschland, der UdSSR, Österreich und der Schweiz Gruppen zusammenzuschließen, die diese Methode praktizierten und erforschten. Nixons Chinareise 1972 rückte die Akupunktur in den Blickpunkt des wissenschaftlichen Interesses.

Die somit verdeutlichte analgesierende Wirkung der Akupunktur hat die Untersuchungen zu den neurophysiologischen Wirkungsmechanismen in den letzten 20 Jahren in den Mittelpunkt der Forschungsarbeiten rücken lassen.

Akupunktur im Gesicht

In den letzten 30 Jahren entstanden folgende Sonderformen der Akupunktur: die Akupunktur des Kopfes, insbesondere der Ohrmuschel, der Nase und des Gesichts sowie die Akupunktur der Hand und die Laserakupunktur. Besondere Bedeutung erlangte die Ohrakupunktur (Auriculotherapie), die 1958 von dem französischen Arzt Nogier entwickelt wurde. Hierbei geht man von der Vorstellung aus, dass das Schema des embryonalen menschlichen Körpers sich auf die Ohrmuschel projiziert und somit die Akupunkturpunkte den entsprechenden Körperregionen zugeordnet werden können. Die Ohrakupunktur wird vor allem auf dem Gebiet der Akupunkturanästhesie sowie bei der Behandlung von Suchterkrankungen eingesetzt. In diesem Bereich wird die Akupunktur bei der Raucherentwöhnung, dem Alkohol – und Rauschgiftentzug sowie bei der Gewichtsreduktion bei Übergewicht und Fettsucht eingesetzt.

Die traditionelle chinesische Medizin versteht sich als eine ganzheitliche Heilmethode. Das bedeutet zum einen, dass der menschliche Organismus als eine organische Einheit gesehen wird, und zum anderen, dass auch die Beziehungen zwischen Mensch und Natur als eine Einheit zu sehen sind.

Akupunktur am Rücken

Die chinesische Medizin geht davon aus, dass die einzelnen Funktionseinheiten (Organe) untereinander durch die Meridiane (Jing-Luo) miteinander verbunden sind. In den Meridianen fließt nach traditioneller Vorstellung das Qi, die Lebensenergie. Die Wirkung des Meridiansystems zeigt sich an der Wechselbeziehung zwischen den einzelnen Speicher- und Hohlorganen und am Austausch zwischen den inneren Organen und anderen Körperteilen.

Krankheiten werden aufgefasst als Disharmonien in den Organen, die durch einen gestörten Energiefluss zustande kommen. Durch die Akupunktur und durch die Kräutermedizin kann dieses energetische Gleichgewicht wiederhergestellt werden.

Das System von Yin und Yang

Das Prinzip von Yin und Yang ist eine der Basistheorien der traditionellen chinesischen Medizin. Die gesamte Physiologie, Pathologie und die östliche Philosophie ist der Auffasssung, dass alle Lebewesen und alle Dinge Yin und Yang aufweisen, zwei Aspekte, die gleichzeitig Gegensatz und Ergänzung sind, und dass die Interaktionen und die ständigen Bewegungen von Yin und Yang den Ursprung der Schöpfung und der permanenten Transformation der Lebewesen im Universum darstellen. Die Begriffe Yin und Yang werden benutzt, um den immerwährenden Prozess natürlicher Veränderung zu erklären. Angewendet auf den Bereich der Medizin bedeutet dieses Gesetz, dass der Zustand vom Gleichgewicht der Gesundheit vom Yin und Yang abhängt, d.h. von der Homöostase des Lebewesens im Rahmen der Umgebung, und dass umgekehrt eine Krankheit die Folge eines Bruchs in diesem Gleichgewichtssystem ist.

Das Schriftzeichen Yin bedeutete ursprünglich die schattige Seite eines Hügels, womit solche Qualitäten wie Kälte, Ruhe, Empfänglichkeit, Passivität, Dunkelheit, Abnahme, das Innere und als Richtung das nach unten und einwärts Gehende verbunden werden.

Die ursprüngliche Bedeutung des Zeichens Yang war die sonnige Seite des Hügels. Der Begriff impliziert Helligkeit und bildet den Teil eines gebräuchlichen chinesischen Wortes für die Sonne. Yang wird mit folgenden Qualitäten assoziiert: Hitze, Anregung, Bewegung, Aktivität, Erregung, Vitalität, Licht, Zunahme, das Äußere und als Richtung das nach oben und auswärts Gehende.

Auch Krankheiten und ihre Symptome werden im Rahmen der chinesischen Medizin nach Yin und Yang eingeteilt. Typische Yang-Symptome sind z.B. heftige, akut auftretende Schmerzen, die durch Druck oder Wärme verstärkt werden, Entzündungen, Fieber sowie ein kräftiger, schneller Puls. Yin-Erkrankungen sind dagegen gekennzeichnet durch einen chronisch schleichenden Verlauf und gehen oft einher mit allgemeiner Schwäche, Müdigkeit und Kältegefühl im Körper.

Yin und Yang werden jeweils sechs Organe bzw. Meridiane zugeordnet. Die Yin-Organe werden auch als parenchymatöse oder Speicherorgane bzw. im chinesischen Zang-Organe genannt. Die sechs Yang-Organe – im chinesischen Fu-Organe – werden auch als Hohl- oder Arbeitsorgane bezeichnet.

Die fünf Wandlungsphasen

Bei dem System der “fünf Wandlungsphasen” oder “fünf Elemente” (chin.: “wu-xing”; “wu” bedeutet die Zahl fünf und “xing” heißt gehen) handelt es sich um ein Entsprechungssystem, in dem physische Abläufe oder Phänomene in “fünf Wandlungsphasen” eingeordnet werden. Im Rahmen der traditionellen chinesischen Medizin wurden verschiedenste Naturvorgänge und prozesshafte Abläufe in dieses System von fünf abstrakten Grundfaktoren eingeordnet. Es dient dazu, die ständigen Interaktionen zwischen den Lebewesen und den Dingen zu erklären und die Gesetze zu interpretieren, die ihre Evolution und ihre Transformation beherrschen. Auf die Medizin bezogen stellt sie eine generelle und simplifizierte Vorstellung von den Mechanismen dar, mit denen der Mensch sein inneres Milieu gegenüber der Außenwelt aufrechthält. Es gibt fünf Elemente, wobei jedem Element ein Yin-Organ zugeordnet wird:

Holz = Leber, Feuer = Herz, Erde = Milz/Pankreas, Metall = Lunge, Wasser = Niere.

Jedes Element bzw. jede Phase steht als Symbol für eine Kategorie verwandter Funktionen und Qualitäten. Holz symbolisiert Aktivität, die im Wachstum begriffen ist. Feuer bezeichnet einen maximalen Aktivitätszustand am Wendepunkt. Metall steht für Aktivitäten, die sich vermindern, während Wasser Aktivitäten repräsentiert, die den maximalen Ruhezustand erreicht haben. Erde hingegen beschreibt Balance und Neutralität. Darüber hinaus sind den fünf Wandlungsphasen eine Vielzahl von Qualitäten zugeordnet wie z.B. Jahreszeiten, Farben, Geschmacksrichtungen, Gefühle, Himmelsrichtungen, klimatische Faktoren, Sinnesorgane, Nahrungsmittel, Entwicklungsstufen.

Die fünf Elemente stehen in einer innigen wechselseitigen Beziehung der gegenseitigen Förderung wie auch der Hemmung bzw. Kontrolle zueinander. Jeder Faktor hat einen Gegenfaktor, jeder Faktor wird von einem anderen beherrscht und beherrscht gleichzeitig einen anderen. Es bestehen 36 mathematische Möglichkeiten, die fünf Phasen miteinander zu kombinieren, von denen aber nur wenige in der Medizin eine praktische Bedeutung haben.

Jede Wandlungsphase hat zwei Facetten: produzieren und produziert werden. Sie verhält sich wie eine “Mutter” in Beziehung zu dem Element, welches ihr in einem pentagonalen Zyklus folgt und wie ein “Sohn” in Beziehung zu dem Element, das ihr vorausgeht. So produziert das Metall beispielsweise das Wasser; das Metall ist somit die Mutter des Wasserelements. Umgekehrt wird das Metall von der Erde produziert und das Metall ist somit der Sohn der Erde.

Die detaillierten komplexen Zusammenhänge der fünf Wandlungsphasen sind von entscheidender Bedeutung für die Diagnostik und Therapie im Rahmen der traditionellen chinesischen Medizin.

Anwendungsbereiche, Wirkung der Methode

Das Indikationsspektrum der Erkrankungen, die sich gut mit Akupunktur behandeln lassen, ist sehr groß. Neben akuten und chronischen Schmerzen, bei denen die Akupunktur oft erstaunliche Erfolge zeigt, empfiehlt die WHO 41 Erkrankungen, bei denen eine Akupunkturbehandlung indiziert ist. Dazu zählen: Erkrankungen der Atemwege, Bronchien- und Lungenerkrankungen, Augenerkrankungen, Erkrankungen der Mundhöhle, Magen-Darm-Erkrankungen, neurologische und orthopädische Erkrankungen.

Es sind weltweit etwa 2000 Studien dokumentiert, die sich mit der Wirkung der Akupunktur befassen. Ein Großteil davon stammt aus China; weit über 200 Studien wurden im Westen veröffentlicht. Im Folgenden sollen die Ergebnisse der wichtigsten Studien zusammengefasst und die gefundenen Wirkungsmechanismen erläutert werden.

Physikalische Phänomene an Akupunkturpunkten

Die nach traditioneller chinesischer Vorstellung in den Meridianen fließende Lebensenergie “Qi” deutete man im Westen als elektrische Energie und führte elektrophysiologische Untersuchungen an den Akupunkturpunkten durch. Es konnte gezeigt werden, dass der Hautwiderstand an den Akupunkturpunkten niedriger ist als der der umgebenden Haut. Aufgrund dieser Erkenntnis wurden sog. Punktsuchgeräte entwickelt. Diese Geräte messen den Hautwiderstand und sind mit akustischen oder optischen Signalen ausgestattet.

 

Die Rolle der Endorphine und Mittelhirnmonoamine in der Akupunkturanalgesie

Die Akupunktur aktiviert Nervenfasern im Muskel, die Impulse ans Rückenmark entsenden und die drei Zentren Medulla, Mittelhirn und Hypothalamus-Hypophyse erreichen und somit eine Analgesie bewirken. Auf Rückenmarksebene werden Enkephalin und Dynorphin freigesetzt. Im Mittelhirn wird mit Enkephalin das absteigende Raphesystem aktiviert, das die Schmerzfortleitung im Rückenmark durch synergistische Wirkung der Monoamine Serotonin und Noradrenalin verhindert. Im dritten Zentrum, der Funktionseinheit Hypothalamus-Hypophyse, kommt es zur Ausschüttung von ß-Endorphin in den Liquor und ins Blut.

Kritische Würdigung der Grenzen der Methode

Die Akupunktur ist im Gegensatz zu vielen Behandlungsmethoden eine Therapie, die – wenn sie von einem erfahrenen Akupunkteur durchgeführt wird – praktisch frei von Nebenwirkungen ist. Dennoch gibt es mögliche Komplikationen, die im Folgenden dargestellt werden sollen.

Ähnlich wie bei anderen Injektionstherapien und wie bei der Blutabnahme kann es während der Akupunktursitzung v.a. bei ängstlichen und kreislaufschwachen Patienten zu einem sog. Nadelkollaps bzw. einem Ohnmachtsanfall kommen. Er tritt in ca. 5% der Fälle während der ersten Behandlungen auf. Aus diesem Grunde sollten die ersten Akupunkturbehandlungen im Liegen durchgeführt werden. Durch Entfernen der Nadeln und Hochlagerung der Beine kann die Symptomatik meist rasch gebessert werden.

Lokale Infektionen der Haut sind in der Praxis bei der Verwendung von sterilen Nadeln und Beachtung allgemeiner hygienischer Regeln fast nie zu beobachten, da die Abwehrkraft des Gewebes gegenüber einer glatten, geschlossenen Metallnadel offenbar sehr hoch ist und mögliches Keimmaterial bereits in den oberen Hautschichten abgestreift wird. Bei der Verwendung steriler Einmalnadeln ist daher eine lokale Desinfektion der Haut nicht nötig.

Anders verhält es sich bei der Ohrakupunktur, v.a. bei der Verwendung von Dauernadeln. Hierbei kann es zu Infektionen des Knorpels kommen und es sollte daher bei der Ohrakupunktur immer eine gründliche Desinfektion der Ohren vorgenommen werden.

 

Die Schmerzen, die beim Einstich der Akupunkturnadel in die Haut auftreten können, lassen sich durch Verwendung hochwertiger Akupunkturnadeln und einer geschickten Nadelungstechnik, wobei die Nadel schnell in die Haut eindringt, in der Regel auf ein Minimum reduzieren. Es ist wichtig, den Patienten darauf hinzuweisen, dass er sich während der Behandlungsdauer nicht bewegt, da Muskelbewegungen des Patienten zu Verschiebungen der Nadel im Gewebe und damit zu Schmerzsensationen führen können. Auch sollte man ihn darüber informieren, dass es gelegentlich zu einem stromstoßartigen plötzlich einschießenden Gefühl (De-qui-Gefühl) beim Nadeleinstich kommen kann. Dieses kann auftreten, sobald die Nadel auf den Akupunkturpunkt trifft, und es strahlt häufig entlang des entsprechenden Meridians aus.

Ein harmloses, aber relativ häufiges Phänomen ist eine kleine Blutung, die nach Entfernen der Nadel auftreten kann und meist zu einem kleinen Hämatom führt. Sie kommt zustande durch eine Läsion von Venolen. Die Gefahr, größere Venen, Arterien und Nerven zu schädigen, ist praktisch nicht gegeben, da diese sich bei der verwendeten Nadeldicke im Gewebe zur Seite rollen. Bei sehr niedrigen Quick-Wert (Marcumarisierung) und schweren Gerinnungsstörungen ist eine sichere Prophylaxe vor Blutungen nur durch den Verzicht auf die Nadelakupunktur zu gewährleisten.

Eine seltene, aber zu beachtende Komplikation der Akupunktur ist der Pneumothorax. Es ist daher bei der Nadelung von Akupunkturpunkten im Thoraxbereich v.a. bei Patienten mit Lungenemphysem auf eine möglichst geringe Einstichtiefe zu achten bzw. es sollte auf die Verwendung von Akupunkturpunkten im Thorakalbereich bei diesen Patienten verzichtet werden. Wenn nicht auf diese Punkte verzichtet wird, ist es besonders wichtig, die Patienten darauf hinzuweisen, dass sie sich nicht bewegen sollen, um die Eindringtiefe der Nadeln im Gewebe nicht zu verändern.

Bei der Übertragung von Infektionskrankheiten werden am häufigsten Hepatitiden genannt. Seit 1980 sind mindestens 84 Fälle von Hepatitiden beschrieben worden. Allerdings ist hierbei zu berücksichtigen, dass die Hygienemaßnahmen in China oft nur unzureichend sind. Durch die Verwendung steriler Einmalnadeln ist diese Nebenwirkung sicher auszuschließen.

Kontraindikationen

Die Akupunktur kann in der Regel bei Patienten jeden Alters durchgeführt werden. Bei Kleinkindern oder bei besonders schmerzempfindlichen Patienten empfiehlt sich jedoch die Verwendung besonders dünner Akupunkturnadeln oder die Anwendung einer Laserakupunktur, die völlig schmerzfrei ist.

Die Akupunktur in der Schwangerschaft muss unter zwei Gesichtspunkten betrachtet werden. Es gibt Akupunkturpunkte mit starker hormoneller Wirkung, deren Verwendung auch zu einem Abort führen kann. Solche Punkte dürfen auf keinen Fall während einer Schwangerschaft benutzt werden. Andererseits sind die Behandlung der Übelkeit während der Schwangerschaft und die Geburtserleichterung durch den Einsatz analgetischer, sedierender und wehenstimulierender Punkte eine geeignete Indikation für eine Akupunkturbehandlung.

Bei tumorösen Erkrankungen kann die Akupunktur unterstützend eingesetzt werden zur Behandlung von Schmerzen bzw. bei auftretender Übelkeit bei Chemotherapie. Es muss jedoch klar gesagt werden, dass die Akupunktur nicht zu einer Heilung von Tumorerkrankungen führt.

Zu weiteren Erkrankungen, die durch Akupunktur nicht zu heilen sind, zählen alle chronischen Erkrankungen des Nervensystems wie amyotrophe Lateralsklerose und Multiple Sklerose. Lese den gesamten Artikel hier »

Klimatherapie und Heliotherapie

Entstehungsgeschichte, Prinzipien und Theorie

Der Einfluss von Wetter und Klima auf den Menschen war den Ärzten schon vor über 2000 Jahren bekannt, hat sich aber nach der Eröffnung der Kinderheilstätte in Davos 1842 manifestiert.

Klima bedeutet: Die Gesamtheit der Witterung eines längeren oder kürzeren Zeitabschnitts an einem bestimmten Ort. Das Wetter hingegen ist ein sich permanent ändernder Zustand.

Klimatherapie

Zur Therapie gehört die Ausschaltung belastender Klimafaktoren wie Verunreinigung der Luft, kalte bzw. warme feuchte Luftinversionen, Nebel und schwüle Luft.

Die Klimatherapie gehört ebenfalls zu den klassischen Naturheilverfahren. Die sog. Aerotherapien beruhen auf einem dosiert zunehmenden Aufenthalt an der frischen Luft, der meist mit der Bewegungstherapie kombiniert ist. Ein Bestandteil der Klimatherapie ist die Heliotherapie. Die Helio- bzw. Lichttherapie nutzt Sonnenlicht zur Therapie oder Prävention. Sie wird grundsätzlich in Kombination mit weiteren Klimafaktoren durchgeführt. Zu einer Klimakur gehören Liegekuren, Freiluftbäder, Nachtschlafen im Freien und ein Bewegungstraining. Klimakuren trainieren das Herz-Kreislauf-System und die Atmung. Bronchitis, Asthma, Allergien, Hautkrankheiten, Bluthochdruck und Stoffwechselstörungen werden gelindert, der Körper härtet sich gegen Erkältungskrankheiten ab, und nervöse Erschöpfungszustände gehen zurück. Die Heliotherapie besteht aus UV-C unterhalb 280 nm., UV-B 280-315 nm., UV-A 315-400 nm. sowie sichtbarer Strahlung von 380-780 nm. und Infrarotbestrahlung von 780-3000 nm. Die UV-Strahlungsintensität nimmt in der Höhe zu, je 100 Meter ca. 15% und reflektiert im Schnee 85%, Gras 26%, Sand 10-15%, nassen Sand 9% und nasser Erde 3%. Die biophysikalischen Grundlagen der Heliotherapie sind mit der Photobiologie der Haut eng verknüpft. Kleine Teile der Strahlung werden von der Haut absorbiert und reflektiert.

Wirkung und Anwendungsbereiche

Die ausreichende Sonnenbestrahlung spielt eine wesentliche Rolle im Kalziumstoffwechsel des Menschen. Man unterscheidet die Arten der Behandlung, die gänzlich dem natürlichen Sonnenlicht entsprechen, und solche, die speziell die Ultraviolettstrahlen A und B des Sonennlichts beinhalten. Die ausgewählte UVA- und UVB-Therapie ist nicht nur für Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Schuppenflechte und Akne sinnvoll, hier wird auch eine Wirkung bei Patienten mit nachlassender Herztätigkeit und der Stärkung des Abwehrsystems zugeschrieben. Die Behandlung mit dem Spektrum des sichtbaren Sonnenlichts wird direkt mit offenen Augen am Patienten angewandt. Sie bietet sich besonders bei jahreszeitlich bedingten Depressionen, der sog. saisonalen Depression, sowie zur Verbesserung des Allgemeinbefindens und besonders bei Schlaf-Wach-Störungen an. Die UV-B und UV-C Strahlung beeinflussen die Proteinsynthese durch Aminosäurewandlung. UV-B-Strahlung führt zur Umwandlung von 7 Dehydrochlosterin in Vitamin D3 und zur indirekten Pigmentierung. Sie führt bei hoher Dosierung zum Sonnenbrand.

Die UV-A-Strahlung erreicht in relativ hoher Dosis das Gefäßsystem und führt mit Medikamenten im Kreislauf zu Wechselwirkungen (Antihistaminika, Psychopharmaka, Sulfonamide). UVA-Strahlung führt zur direkten Pigmentierung, zu degenerativer Altersathrophie der Haut mit Kollagenveränderung (Hautalterung und Faltenbildung).

Die Dosierung der UV-Strahlung ist variabel in Bezug auf den Hauttyp:

Typ I – (blond-rote Haare, blaue Augen) bekommen Sonnenbrand und keine Pigmentierung.

Typ II – bilden Erythem mit geringer Pigmentierung.

Typ III- bekommt selten Sonnenbrand, wird deutlich pigmentiert.

Typ Iv – bekommt nie Sonnenbrand, wird deutlich pigmentiert.

Typ V – stark pigmentiert (sind europäischer Typen)

Typ VI- Angehörige der negroiden Rasse.

Therapeutisch gilt als allgemeine Regel: Niedrigste Dosis, Erythem vermeiden, bei Hauterkrankung bestrahlen bis erscheinungsfrei, dann ausschleichende Therapie, bei häufigem Bestrahlen die Einzeldosis gering halten.

Die Bestrahlung erfolgt täglich oder jeden 2. Tag, die Dosis sollte max. bis zur Rötung ersten Grades gesteigert werden.

Indikationen:

Juckende Dermatosen, chron. rezidivierende Urtikaria, atopische Neurodermitis, nicht Gewöhnung im Winter und Frühjahr bei Lichturticaria, rheumatoide Arthritis, Vitiligo, Bluthochdruck, Atemwegserkrankung (adjuvant), zur Prävention und Resistenzsteigerung, Osteomalazie, Rachitisprophylaxe im Kindesalter, nicht aktive Tuberkulose.

Bei der Photo-Therapie (Photobalneotherapie) wird vor der Bestrahlung in Solelösung oder Meerwasser 10-15 Minuten gebadet, dann bestrahlt.

Indikation: Psoriasis, Ichthyosis, atopische konstitutionelle Neurodermitis. Überdosierung führt zum Sonnenbrand.

Grenzen der Methode

Kontraindikationen:

Alle Lichtdermatosen,

Sympathicotone Reaktionslage: offene TBC, Schilddrüsenüberfunktion, Ulcus ventriculi und duodeni.

Dekompensationszustände: Kreislaufkollaps, akute Nephritis, Kachexie, starke Menstruationsblutung, Exacerbation von Schuppenflechte, Lichen ruber, Pityriasis rosea und Porphyrie.

Risiken durch übermäßige Anwendung:

Forcierte Faltenbildung, neoplastische Veränderungen, Melanome.

Klassische Naturheilverfahren

Zu den klassischen Naturheilverfahren zählen die Wasser-, die Pflanzen-, Ernährungs-, Bewegungs- und Ordnungstherapie sowie die ausleitenden Verfahren. Die klassischen Naturheilverfahren dienen, wie auch die zu ihnen zählenden physiotherapeutischen Verfahren (Physiotherapie, physikalische Therapie) der allgemeinen Anregung und gezielten Behandlung gestörter physiologischer Funktionen mit physikalisch naturgegebenen Mitteln z.B. Wasser, Erde, Wärme, Kälte, Licht, Luft, Bewegung, Ruhe, Nahrung, Elektrizität etc. Die klassischen Naturheilverfahren umfassen mit ihren natürlichen Heilverfahren alle Maßnahmen, die die Selbstheilung und Selbstregulierungskräfte des Körpers unterstützen. Das Wort Naturheilkunde wurde erstmals 1846 von Rausse gebraucht. Die klassischen Naturheilverfahren zählen zu den wissenschaftlich anerkannten und gut bewiesenen Verfahren. Die mikrobiologische Therapie und die Neuraltherapie können noch nicht zu den klassischen Naturheilverfahren gezählt werden, da der exakt wissenschaftliche Nachweis auf diesem Gebiet trotz vieler Untersuchungen, die in den letzten Jahren durchgeführt wurden, noch nicht erbracht wurde. Die so genannten paramedizinischen Verfahren gehören zu den Außenseitermethoden, da ihre Wirksamkeit wissenschaftlich nicht belegt werden konnte. Dazu gehören die Ozontherapie, die Sauerstoffmehrschritt-Therapie, die Chelattherapie, die Elektroakupunktur, die Bioresonanzdiagnostik und Bioresonanztherapie und viele andere Verfahren. Paramedizinische Verfahren wie die Irisdiagnostik, die Astromedizin, das Pendeln, die Wünschelrute und das Handauflegen müssen von den klassischen Naturheilverfahren deutlich abgegrenzt werden. Die klassischen Naturheilverfahren zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass mit ihnen jahrhundertelange Erfahrung bestehen. Sie können im häuslichen Umfeld vom Patienten mit wenigen Ausnahmen selbst eingesetzt werden. Es handelt sich um preisgünstige Verfahren, die den Patienten nicht unnötig an einen Therapeuten binden und die nicht zu hohen finanziellen Belastungen führen. Die klassischen Naturheilverfahren sind, gerade was die Vorbeugung von Erkrankungen angeht, ideal vom Patienten einsetzbar.

Wirkung und Anwendungsbereiche

Die chronischen und Langzeiterkrankungen sind, von Erbanlagen abgesehen, auch umwelt- und verhaltensbedingt. Eine Behandlung ist nur dann dauerhaft erfolgreich, wenn bei Patienten ein gewisses Umdenken und eine Änderung des Verhaltens erreicht wird. Klassische Naturheilverfahren können gerade bei chronisch erkrankten Patienten mit großen Erfolgen eingesetzt werden.

Der Begriff “Natur” steht ganz im Gegensatz zur Zivilisation und Technik. Der neuzeitliche Mensch ist unter anderem durch seine Umwelt, die im Grunde nicht mehr seinen natürlichen Lebensbedingungen entspricht, krank geworden. Die Selbstheilungs- und Selbstordnungskräfte sind durch den Entzug dieser Bedingungen häufig geschwächt. Die natürlichen Therapien wirken über die Mechanismen Schonung, Kräftigung und Regulierung und durch Stimulation der Organfunktion.

Reiztherapien können den Körper weniger krankheitsanfällig machen und den Konsum von Medikamenten verringern. Nur ein Körper, der noch reagieren kann, kann stimuliert werden. Ist die Abwehrkraft des Körpers zu erschöpft, sind Organe oder Gewebe zerstört, ist die Reiztherapie eine zusätzliche Belastung.

Während der Schonung soll der Körper seine Selbstheilungskräfte darauf konzentrieren können, die Krankheit zu überwinden. Dies geschieht durch Reizreduktion und Ausschaltung schädlicher Einflüsse. Lese den gesamten Artikel hier »

Klassische Massage

Die klassische Form der Massage ist die uns geläufige Form der Massage der Muskeln. Aus ihr sind alle späteren Techniken hervorgegangen.

Massage

Es gibt unterschiedliche Massageformen, z.B. Teilmassage, die Groß- und Ganzmassagen, Bindegewebsmassagen als besondere Form der Reflexzonentherapie, die Lymphdrainage und die Unterwasserdruckstrahlmassage. Darüber hinaus gibt es die Periostmassage, es handelt sich hierbei um eine rhythmische Druckanwendung auf die Knochenhaut. Auch sie ist eine Form der Reflexzonentherapie und führt zur reflektorischen Beeinflussung ferngelegener Organe. Die Kolonmassage dient zur örtlichen und vegetativen Beeinflussung bei Verstopfung. Die Massage als physiotherapeutische Behandlung von Gewebe und Muskeln durch Druck bzw. Zugreiz ist eine uralte Therapie. In China ist die Massagetherapie unter dem Namen Tui-Na bekannt. Masseure sind im Gesetz über die Berufe in der Physiotherapie als geregelter Ausbildungsberuf anerkannt.

Wirkung und Anwendungsbereiche

Massage

Die klassische Massage führt zum Abbau von Verspannungen im Muskel- und Bindegewebe. Sie unterstützt andere physiotherapeutische Maßnahmen, führt zur Verkürzung der Erholungsphase z.B. nach Operationen. Bei psychosomatischen Erkrankungen führt sie zum vegetativen Ausgleich und hat neben einer schmerzmildernden eine insgesamt kräftigende Wirkung. Man unterscheidet verschiedene Griffe der klassischen Massage wie Streichungen (Effleurage), Reibungen (Friktion), Knetungen (Pétrissage), Klopfungen (Tapotement), Vibrationen, Schüttelungen (Vibration) und Walken. Mit der klassischen Massage kann auf das Venen-Lymphsystem, auf das Herz-Kreislauf-System, auf die Atmung, den Stoffwechsel und das neurovegetative Nervensystem eingewirkt werden. Die Massage kann bei psychosomatischen Beschwerden und Verspannungszuständen eingesetzt werden. Weiterhin dient sie zur Schmerzerleichterung und Schmerzlinderung. Reflektorische Rückenschmerzen, Muskelhartspann und Muskelverspannungen können neben vielen anderen Anwendungsgebieten behandelt werden.

Grenzen der Methode

Die Massagetherapie kann auch im häuslichen Umfeld vom Laien durchgeführt werden. Allerdings kann die Erfahrung eines ausgebildeten Physiotherapeuten durch die Laienanwendung nicht ersetzt werden, sodass die Wirkungen meist nicht gleich zu setzen sind, die durch professionelle Massagetherapie erreicht werden können. Nicht angewendet werden darf die Massagetherapie bei frischen Operationsnarben, bei Thrombosen, bei Strahlenschäden, besonders nach Bestrahlungstherapie nach Brustkrebs, im schlechten Allgemeinzustand und unter anderem bei reduzierter Abwehrlage. Auch infektiöse Hauterkrankungen verbieten die Anwendung der klassischen Massage. Lese den gesamten Artikel hier »

Cantharidenpflaster

Entstehungsgeschichte, Prinzipien und Theorie

Das Cantharidin ist eine aus der spanischen Fliege gewonnene Substanz, die auf ein Pflaster aufgetragen wird und zur Hautreizung und Blasenbildung führt. Besonders in Frankreich wurde in den letzten Jahren dieses Verfahren häufiger angewandt als in Deutschland.

Die Technik der Pflasteranwendung ist ein einfaches Verfahren: Das fertige Cantharidenpflaster, das im Handel bezogen werden kann, wird auf die gewünschte Stelle aufgetragen und durch einen leichten Verband fixiert. Entweder wird das Cantharidinpflaster lokal im Bereich der erkrankten Stelle oder einer entfernteren Stelle aufgetragen. Entsprechend den Grundsätzen der ableitenden Verfahren kann beispielsweise bei Kopfschmerzen lokal das Cantharidenpflaster hinter dem Ohr oder an den Schläfen angelegt werden. Es kann aber auch über der Wade angelegt ableitend wirken. Die Größe des Cantharidinpflasters reicht von der Größe einer Briefmarke bis zu etwa 10 mal 10 cm. Bei der akuten Ischalgie werden 3 cm breite Streifen entlang des Nervenverlaufs aufgelegt. Behaarte Körperstellen müssen rasiert werden. Die Dauer beträgt im Allgemeinen 6-12 Stunden. Je stärker die Blase ausgefallen ist, umso günstiger wird die Wirkung beurteilt. Einige Therapeuten entleeren die Blase mit einer Injektionsnadel und ziehen den Blaseninhalt in einer Spritze auf. Diese wird in den Gesäßmuskel wieder eingespritzt. Anschließend wird ein Salbenverband aufgelegt. Oftmals wird bei Entfernung des Verbands die Blase aufgerissen, sodass die Wiedereinspritzungsmöglichkeit nicht gegeben ist. Über dem Knochen sollte kein Cantharidinpflaster aufgelegt werden.

Wirkung und Anwendungsbereiche

Das Hauptanwendungsgebiet des Cantharidenpflasters ist der “Aderlass” am Lymphsystem. Im Lymphsystem wird die Lymphe transportiert, diese stellt entsprechend dem Blutgefäßsystem einen eigenen Körperkreislauf dar. Das Wort Lymphe leitet sich aus dem Lateinischen ab und bedeutet klares Wasser, Quellwasser. Das Lymphsystem spielt in der Naturheilkunde eine gewichtige Rolle, da nach entsprechend naturheilkundlichen Vorstellungen zunächst die Lymphe überlastet wird, bevor Giftstoffe, die durch die Lymphe entgiftet werden sollen, in den Blutkreislauf gelangen. Die Lymphe hat neben der Entgiftungsfunktion aber auch noch andere Funktionen wie beispielsweise den Fetttransport.

Der Lymphstau stellt ein krankhaftes Korrelat dar, das bei vielen Erkrankungen primär beseitigt werden muss, um eine Heilung herbeizuführen. Wenn nun das Cantharidinpflaster einen “Aderlass am Lymphsystem” darstellt sowie der Aderlass Blut aus dem Körper entfernt, wird durch das Cantharidenpflaster Lymphe dem Körper entzogen. Das Cantharidenpflaster wirkt deshalb auf das Lymphsystem. Es führt zu einem vermehrten Blutandrang am Ort des Pflasters. Weiterhin wird eine leichte Entzündung erzeugt, die bei manchen Patienten leichtes Fieber hervorrufen kann. Das Cantharidenpflaster führt zu einer Vermehrung der Harnausscheidung. Es wirkt schmerzstillend und krampflösend. Von naturheilkundlichen Ärzten wurde es immer wieder eingesetzt, um den Menstruationsfluss zu fördern. Heute wird das Cantharidenpflaster bei schmerzhaften Entzündungen im Bereich großer Gelenke angelegt. Dies ist häufig bei rheumatologischen Erkrankungen eine wesentliche Indikation. Es muss darauf hingewiesen werden, dass die Blase häufig mit starken Pigmentierungen bzw. Narbenbildungen abheilt.

Grenzen der Methode Lese den gesamten Artikel hier »

Bewegungstherapie

Entstehungsgeschichte, Prinzipien und Theorie

Unter Bewegungstherapie verstehen wir ein Körpertraining, das die Leistungsfähigkeit des Organismus zu steigern vermag. Die Übungen reichen von Gymnastik, Gehen und Laufen bis hin zu Terrainkuren, bei den synergistisch Klimafaktoren mit einbezogen werden. Die Bewegung soll Freude machen. Dies ist auch Voraussetzung für das Fortführen der Bewegung im täglichen Leben. Wert wird bei der Bewegungstherapie auf die dynamische Muskelarbeit gelegt, statische Muskelarbeit soll vermieden werden. Das heißt Verzicht auf Gewichtheben, Liegestütze etc. Dynamische Abläufe wie alle rhythmischen Tätigkeiten, Gehen, Laufen, Schwimmen, Radfahren und Gymnastik, sollten im Vordergrund stehen.

Wirkung und Anwendungsbereiche

Bewegungstherapie

Bei der Bewegungstherapie sind keine Spitzenleistungen gefragt, sondern eine allgemeine Steigerung der Leistung des Körpers. Die richtige Dosierung der Bewegung ist wichtig. Übertreibungen schaden eher, als dass sie helfen. Der vorbeugende Charakter der Bewegungstherapie ist wissenschaftlich nachgewiesen; bei gezielter Bewegungstherapie wird auf viele Erkrankungen Einfluss genommen. Es wurde nachgewiesen, dass nach Krebserkrankungen das Immunsystem deutlich durch Teilnahme an regelmäßigen sportlichen Aktivitäten gestärkt werden kann. Die Bewegungstherapie wirkt vorbeugend gegen Schäden des Bewegungsapparats. Funktionen von Kreislauf und Lunge werden unterstützt. Regelmäßige Gymnastik baut Körperfett ab und fördert die Durchblutung. Die Bewegungstherapie ist bezüglich der Osteoporose die wichtigste Therapieform. Osteoporose-gefährdete Frauen und vor allem Patientinnen mit Osteoporose müssen regelmäßig Gymnastik betreiben. Gehen und Laufen hebt die Laune, hält den Kreislauf fit und ist zudem auch für Ungeübte geeignet. Weicher Boden schont die Gelenke, festes Schuhwerk schützt vorm Umknicken und gibt kräftigen Halt. Eine spezielle Form der Bewegungstherapie ist die Kranken- und Heilgymnastik. Bewegungsübungen im Bewegungsbad haben den großen Vorteil, dass jede Übung durch den Auftrieb im Wasser besser gelingt. Zudem stimuliert der Kältereiz die Durchblutung und die Regulation der Körpertemperatur. Bei allen degenerativen Gelenk- und Muskelerkrankungen ist die Bewegung im Wasser besonders geeignet. Lese den gesamten Artikel hier »

Aderlass, Aderlasstherapie

Entstehungsgeschichte, Prinzipien und Theorie

Die Aderlasstherapie ist das klassische blutentziehende Verfahren. Formen des Aderlasses finden sich in allen Kulturen.

In Europa war sie fester Bestandteil der humoralpathologischen Medizin. Durch teilweise übertriebenen Gebrauch und häufig falsche Einsatzbereiche geriet sie in fast völlige Vergessenheit. Im Rahmen des Wiederaufblühens der Naturheilkunde erlangt der Aderlass wieder zunehmend an Bedeutung. Die festen Bestandteile des Blutes (Hämatokrit) betragen bei der “normalen” westlichen Lebensweise mehr als 40%, obwohl die Fließeigenschaften des Blutes erst optimal bei einem Hämatokrit von unter 40% sind. Durch Entzug von Blut und Ersatz des fehlenden Volumens aus dem Zwischenzellraum kommt es zu einer Blutverdünnung, die die Fließeigenschaften verbessert. Die Durchblutung wird verbessert und der Körper von belastenden Stoffen befreit. Durch die bessere Durchblutung wird die Versorgung des Gewebes mit Sauerstoff optimiert. Der durch den Aderlass bedingte Eiweißverlust wird durch Eiweißdepots der Gefäße ersetzt. Durch Abnahme der Eiweißspeicher in den Gefäßen würden Gefäßverkalkungen verhindert, evtl. sogar abgebaut. Zum Aderlass lässt der Therapeut mit einer Kanüle aus einer Vene zwischen 100 und 300 ml Blut ab. Der Aderlass kann unter ärztlicher Überwachung 1-2 Mal die Woche durchgeführt werden, bis der Hämatokrit im Bereich von unter 40% liegt und damit die Fließeigenschaften des Blutes verbessert werden.

Wirkung und Anwendungsbereiche

In der Schulmedizin findet der Aderlass bei einigen Bluterkrankungen Anwendung. Der naturheilkundliche Ansatz der Aderlasstherapie geht von einem Füllezustand bei den oft “überernährten” Patienten aus, der durch Ausgleich des Blutüberschusses therapiert wird. Die Ernährung in der westlichen Welt ist in der Regel von einem Überangebot an Eiweiß, Fett und Kohlenhydraten gekennzeichnet. Dieses “Zuviel” an Nahrung löst einen Füllezustand des Körpers aus, der zu übertriebenen, ungesunden Speichervorgängen führt. Somit wird in der Naturheilkunde der Aderlass bei Stoffwechselkrankheiten, Herzkreislauferkrankungen, Atembeschwerden, Durchblutungsstörungen des Gehirns sowie bei Krampfadern eingesetzt. Ganz besonders sinnvoll ist eine Anwendung bei Kopfschmerzen, Schwindel, Schlaflosigkeit, Schweißausbrüchen, Ohrgeräuschen und Luftnot. Lese den gesamten Artikel hier »

Blutegeltherapie

Entstehungsgeschichte, Prinzipien und Theorie

Der Blutegel ist ein an Menschen und Tier blutsaugender Ringelwurm. Er findet sich in Europa, im Süßwasser, zeitweise in feuchter Erde.

Die Blutegeltherapie gehört zu den aus- und ableitenden Verfahren, die die gesamte Medizin im Mittelalter bis zur Neuzeit geprägt haben. Durch die Entdeckung der Antibiotika, der Sulfonamide und der Großentwicklung im Bereich der operativen Medizin sind effektive Therapieverfahren in den Hintergrund getreten. Hierzu zählen vor allem der Aderlass und die Blutegeltherapie. Ein Grund für die heute zurückhaltende Anwendung der Blutegeltherapie stellt unser Gesundheitswesen dar. Die Blutegeltherapie ist eine kostenintensive Therapie, die in der Hand des ambulant tätigen Arztes sehr viel Zeit und Räumlichkeiten erfordert. Der Haupteffekt der Blutegeltherapie kommt dadurch zustande, dass der Blutegel in kleinen Mengen den Wirkstoff Hirudien abgibt, der das Blut verdünnt. Nach einer erfolgten Blutegeltherapie erreicht die Blutgerinnung nach 6 bis 12 Stunden wieder ihre Norm. Der Blutverlust pro Blutegel beträgt ca. 50 bis 100 ml. Meist genügt eine Behandlung, um bereits erste Erfolge zu sehen. Die Blutegel sind sensible Tierchen. Sie vertragen keine aufgeregte Atmosphäre, sind wetter- und transportempfindlich und vertragen keinen Temperaturwechsel. Deshalb sollten sie dunkel und ruhig stehen und müssen mit ruhiger Hand angesetzt werden. Am besten lässt man die Blutegel selbst suchen. Sie suchen instinktiv die optimalen Stellen. Während sie suchen, sollten sie mit Zellstoff abgedeckt werden, damit sie es dunkel haben. Das Bett sollte mit einem Wachstuch bedeckt sein, darauf sollten Zeitungen und Zellstoff liegen. Die Blutegel saugen etwa 45 Minuten bis zu 1 ½ Stunden und fallen dann von alleine ab. Das zu frühe Abnehmen kann sich ungünstig auswirken. Im Notfall kann Salz auf das Kopfende des Egels gestreut werden und somit eine sofortige Unterbrechung der Therapie erreicht werden. Die Bissstelle des Blutegels sieht aus wie ein Mercedesstern, entsprechend der Anlage der Kauwerkzeuge des Blutegels. Hier bleiben kleine, nach längerer Zeit kaum sichtbare Narben zurück. Nach der Blutegeltherapie sollten die Patienten 6-8 Stunden ruhig liegen oder sitzen. Da die Blutegel wegen drohender Infektionsgefahr nur einmal angewandt werden dürfen, werden sie im Anschluss vernichtet. Nach einer Bluttransfusion liegt die Wahrscheinlichkeit für HIV-Infektion (Aids) bei 1:1 Million. Also etwa in der Größenordnung eines Sechsers im Lotto. Seitens der Blutegeltherapie ist kein einziger Fall bekannt, dass nach einer Behandlung Aids aufgetreten sei. Die Tiere werden in Blutegelfarmen gezüchtet. Dort werden sie bewusst hungrig gehalten, damit bei Notwendigkeit eine zügige Therapie erfolgen kann.

Wirkung und Anwendungsbereiche

Früher wurde der Blutegel zum Schröpfen verwandt. Heute wird er in der Regel zur ausleitenden Therapie bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, bei Thrombophlebitis, bei Lymphstau und chronischen Entzündungen auf die Head’schen Zonen (vgl. Schröpfen) aufgesetzt. Gerade bei Patienten mit dickem Blut eignet sich der Blutegel zur Entstauung. In der Regel werden 5-10 Blutegel verwendet. Sie werden entweder im Kreuzbeinbereich zur Entlastung der gesamten unteren Extremitäten oder lokal angesetzt. Besonders günstig ist die Anwendung bei Arthrose im Bereich des Kniegelenks. Bei Tinnitus wird er hinter den Ohren angesetzt. Lese den gesamten Artikel hier »