Ayurveda
Entstehungsgeschichte, Prinzipien und Theorie
Ayurveda ist ein umfassendes, ganzheitliches 5000 Jahre altes Heilsystem und bedeutet wörtlich “Wissenschaft vom Leben”. Diese älteste uns bekannte Heilkunst stammt aus Indien, ist dort noch heute lebendig und versorgt 2/3 der 700 Millionen Inder. Die klassischen ayurvedischen Texte wurde von westlichen Medizinern und Wissenschaftlern neuer und moderner formuliert und als Maharishi Ayurveda weltweit bekannt. Die Leitidee in der Ayurveda-Medizin ist die Vorbeugung von Krankheiten durch gesunde Ernährung, Lebensführung und Pflanzenanwendungen. Dem zugrunde liegen die drei Regulationssysteme, die die Konstitution eines Menschen beschreiben. Sie werden Doshas genannt. Man unterscheidet den Vata-, Pitta- und Kapha-Typ. Meistens finden sich allerdings Mischtypen, bei dem das eine oder andere Dosha überwiegt.
Vata: hat einen leichten Körperbau, ist sehr begeisterungsfähig, sprunghaft, hat trockene Haut, unregelmäßigen Hunger und Verdauung, neigt zu Sorgen, Kummer und unterbrochenem Schlaf.
Pitta: hat einen mittleren Körperbau, steht für das Stoffwechselprinzip mit mittelschwerem Körperbau, guter Verdauung, bevorzugt kalte Nahrung und Getränke, neigt zu Ungeduld, Ärger und Eifersucht.
Kapha: hat einen schweren Körperbau, ölige Haut, nimmt leicht zu, hat einen tiefen, langen Schlaf und eine beständige, ruhige Persönlichkeit und eine Vorliebe für bitteres, scharfes Essen.
Grundlage der Gesundheit ist das Gleichgewicht des Doshas. Werden sie durch falsche Nahrung und äußerliche Einflüsse wie z.B. eine unregelmäßige Lebensführung aus dem Gleichgewicht gebracht, dann entstehen Krankheiten. Der Stoffwechsel wird von Agni (Feuer) und Arna (Stoffwechselschlacken) beherrscht. Ist durch eine typenfalsche Ernährung das Agni (Verdauungfeuer) zu schwach, bilden sich vermehrt Schlacken (Arna). Die Regulierung des Dosha-Ungleichgewichts ereicht man durch mineralische und pflanzliche Medikamente, die typengerechte Ernährung und typengerechte Verhaltensregeln. Die Ernährungstherapie hat einen hohen Stellenwert, da es wichtig ist, die Verdauungskraft zu stärken, was durch den Einsatz von vielen Gewürzen erreicht wird. Die Vorliebe und Abneigungen der Patienten werden sehr ernst genommen, warme Mahlzeiten werden bevorzugt. Zu viel Rohkost schwächt das Agni. Ein ausgeglichener Lebensstil mit natürlichen Rhythmen, regelmäßigen Essenszeiten und täglichen Ganzkörperölmassagen sind erstrebenswert. Die ayurvedische Pflanzenheilkunde kennt ca. 296 Pflanzen. Die Erfolge sind auch in der westlichen Medizin bekannt.
Raysamas sind Präparate aus Kräutern und Mineralien, sie werden eingesetzt, um die Doshas zu stabilisieren und gegen vorzeitiges Altern. Die Mikrozirkulation des Gewebes und der Stoffwechsel wurden nachweislich verbessert und das Immunsystem gestärkt. Panchakarma heißen die ayurvedischen Reinigungs- und Entwicklungstherapien, die sehr gezielt eingesetzt werden und auch bei uns teilweise bekannt sind. Zu den Panchkarmakuren gehören der Stirnguss (Shirodhara), der sehr entspannend und ausgleichend wirkt und bei Schlafstörungen, Hypertonie und vegetativer Dystonie eingesetzt wird. Die Wirkung in der Hirnstrommessung (EEG) ist nachweisbar. Die zweite Ölanwendung ist die Ganzkörpermassage, die gleichzeitig von zwei Masseuren mit warmem Öl durchgeführt wird.
Wirkung und Anwendungsbereiche
Die Ayurveda sieht eine Krankheit oder eine gesundheitliche Störung als einen funktionellen Ungleichgewichtszustand. Ziel ist es, diesen Zustand wieder ins Gleichgewicht zu bringen; die ayurvedische Medizin wirkt also ganzheitlich, alle Ebenen der Gesundung und Harmonisierung des Körpers werden angesprochen. Die ayruvedische Behandlung ist grundsätzlich für alle Krankheitsbilder geeignet, hauptsächlich für alle funktionellen Störungen wie Migräne, Schlafstörungen und Bluthochdruck.
Grenzen der Methode
Anders als in der westlichen Schulmedizin ist das Vorbeugen, die Prophylaxe, von Krankheiten das Hauptanliegen der ayurvedischen Medizin. Dabei werden selbst Vorlieben und Befindlichkeitsstörungen des Patienten beurteilt. Es geht um die Früherkennung möglicher Gesundheitsstörungen, ein Ansatz, der auch eine Bereicherung in der westlichen Medizin darstellen würde. Grenzen sind den Therapieerfolgen dort gesetzt, wo bereits organische Schäden aufgetreten sind, aber selbst da kann die ayurvedische Medizin noch eine Linderung der Beschwerden und ein Fortschreiten der Erkrankung erreichen. Grenzen setzen die Akutmedizin und akute psychische Krankheitsbilder. Vorsicht ist geboten bei Allergien gegen bestimmte Pflanzen und bei der Schwitzkur bei bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
