Akupressur

Die Akupressur baut auf dem Wissen der jahrtausendealten traditionellen chinesischen Medizin (TCM) auf. Es ist anzunehmen, dass die Akupressur eine der ältesten Heilmethoden überhaupt ist und die Akupunktur aus ihr hervorgegangen ist.

Bei kranken Menschen wurde festgestellt, dass nicht nur der erkrankte Körperteil schmerzt, sondern auch andere Körperbereiche bei Berührungen eigenartig empfunden werden. Ohne die wissenschaftliche Grundlage zu erkennen, ging daraus die Entdeckung hervor, durch Reizung spezieller Punkte dieser Körperteile Beschwerden zu lindern und Krankheiten zu heilen. Daraus resultiert die Therapie der Akupressur, der europäische Begriff für die chinesische “Fingerdruckmassage”.

Prinzipien und Theorie der Methode

Akupressur

Die traditionelle chinesische Medizin postuliert eine im Organismus auf bestimmten Bahnen (Meridianen) zirkulierende Lebensenergie (Qi), welche allen Funktionen des Körpers steuernd übergeordnet ist. Fehlfunktionen des Organismus können daher auf Störungen in diesem Energiekreislauf zurückgeführt werden.

Diese Erkenntnis wird diagnostisch und therapeutisch genutzt. Eine weitere Grundlage der chinesischen Medizin ist die Einheit des Äußeren und Inneren des Körpers wie auch die Einheit von Körper und Seele. Ebenso ist der Mensch untrennbar mit Natur und Umwelt verbunden.

Beschwerden und Krankheiten sind daher immer Zeichen einer Störung des Gesamtorganismus. Wichtige Begriffe in der chinesischen Medizin sind “Yin und Yang”, zwei gegensätzliche polare Kräfte, die sich dennoch ergänzen. Gesundheit ist die harmonische Einheit dieser Kräfte, Mangel oder Übermaß eines dieser Kräfte führt zu Krankheit. Zusammenfassend besteht die therapeutische Grundidee der Akupressur in dem Ausgleich der gestörten Körperenergien und dem Wiederherstellen des Gleichgewichts zwischen Yin und Yang. Da die Energie auf definierten Bahnen läuft, kann durch Druck auf festgelegte Punkte auf diesen Energiebahnen (Meridianen) ein Energieausgleich hergestellt werden. Damit wird die Harmonie im Kreislauf der Lebensenergie und somit das ordnende Prinzip im Organismus reguliert. Die Energiebahnen sind in zwölf Hauptmeridiane an der Vorder- und Hinterseite des Körpers sowie in zwei weitere Meridiane in der Körpermitte eingeteilt.

Anwendungsbereiche

Die Akupressur ist vielfältig einsetzbar insbesondere bei:

- Chronischen Schmerzen (Kopf, Rücken, Gelenke)

- Erkrankungen des Bewegungsapparats

- Verdauungsstörungen

- Hormoneller Dysbalance

- Vegetativen Erkrankungen

- Erkrankungen der Atmungsorgane, des Stoffwechsels und des Kreislaufs

Da die Akupressur die Selbstheilungskräfte anregt, eignet sie sich insbesondere zur Therapie funktioneller Störungen jeder Art.

Wirkungen der Methode

Die therapeutische Beeinflussung des Energiekreislaufs des Menschen über die Akupressur hat ihre Wirksamkeit millionenfach empirisch bewiesen. Der wissenschaftlichen Forschung ist es jedoch nur in Grundzügen gelungen, dieses energetische System zu objektivieren. Wissenschaftlich nachgewiesen wurde eine Beeinflussung der Endorphinsynthese, einer körpereigenen opiatähnlichen Substanz durch Akupunktur. Des Weiteren wird auf Rückenmarksebene die Schmerzweiterleitung beeinflusst. Auch Botenstoffe (z.B. Serotonin) werden ausgeschüttet. Die Akupunkturpunkte wurden ebenfalls als Gefäßnervenbündel elektronenmikroskopisch gefunden. Der Nachweis der Meridiane steht jedoch noch aus.

Grenzen und Möglichkeiten der Methode

Aufgrund der langen empirischen Erfahrungen ist der Akupressur trotz des fehlenden wissenschaftlichen Nachweises ihrer Wirksamkeit ein hoher Stellenwert einzuräumen. Sie sollte als Baustein in der Therapie der traditionellen chinesischen Medizin angesehen und sinnvoll mit den wissenschaftlich etablierten Verfahren der Schulmedizin kombiniert werden. Die moderne Medizin ist in der Therapie einiger Erkrankungen überlegen (z.B. in der Behandlung schwerer Infektionskrankheiten und rheumatischen Erkrankungen), sodass die Akupressur nur als Ergänzung und nicht als Alternative anzusehen ist. Die Akupressur kann vom Patienten selbst angewendet werden, zum Beispiel zur Behandlung von Migräne und Kopfschmerzen.