Cantharidenpflaster
Entstehungsgeschichte, Prinzipien und Theorie
Das Cantharidin ist eine aus der spanischen Fliege gewonnene Substanz, die auf ein Pflaster aufgetragen wird und zur Hautreizung und Blasenbildung führt. Besonders in Frankreich wurde in den letzten Jahren dieses Verfahren häufiger angewandt als in Deutschland.
Die Technik der Pflasteranwendung ist ein einfaches Verfahren: Das fertige Cantharidenpflaster, das im Handel bezogen werden kann, wird auf die gewünschte Stelle aufgetragen und durch einen leichten Verband fixiert. Entweder wird das Cantharidinpflaster lokal im Bereich der erkrankten Stelle oder einer entfernteren Stelle aufgetragen. Entsprechend den Grundsätzen der ableitenden Verfahren kann beispielsweise bei Kopfschmerzen lokal das Cantharidenpflaster hinter dem Ohr oder an den Schläfen angelegt werden. Es kann aber auch über der Wade angelegt ableitend wirken. Die Größe des Cantharidinpflasters reicht von der Größe einer Briefmarke bis zu etwa 10 mal 10 cm. Bei der akuten Ischalgie werden 3 cm breite Streifen entlang des Nervenverlaufs aufgelegt. Behaarte Körperstellen müssen rasiert werden. Die Dauer beträgt im Allgemeinen 6-12 Stunden. Je stärker die Blase ausgefallen ist, umso günstiger wird die Wirkung beurteilt. Einige Therapeuten entleeren die Blase mit einer Injektionsnadel und ziehen den Blaseninhalt in einer Spritze auf. Diese wird in den Gesäßmuskel wieder eingespritzt. Anschließend wird ein Salbenverband aufgelegt. Oftmals wird bei Entfernung des Verbands die Blase aufgerissen, sodass die Wiedereinspritzungsmöglichkeit nicht gegeben ist. Über dem Knochen sollte kein Cantharidinpflaster aufgelegt werden.
Wirkung und Anwendungsbereiche
Das Hauptanwendungsgebiet des Cantharidenpflasters ist der “Aderlass” am Lymphsystem. Im Lymphsystem wird die Lymphe transportiert, diese stellt entsprechend dem Blutgefäßsystem einen eigenen Körperkreislauf dar. Das Wort Lymphe leitet sich aus dem Lateinischen ab und bedeutet klares Wasser, Quellwasser. Das Lymphsystem spielt in der Naturheilkunde eine gewichtige Rolle, da nach entsprechend naturheilkundlichen Vorstellungen zunächst die Lymphe überlastet wird, bevor Giftstoffe, die durch die Lymphe entgiftet werden sollen, in den Blutkreislauf gelangen. Die Lymphe hat neben der Entgiftungsfunktion aber auch noch andere Funktionen wie beispielsweise den Fetttransport.
Der Lymphstau stellt ein krankhaftes Korrelat dar, das bei vielen Erkrankungen primär beseitigt werden muss, um eine Heilung herbeizuführen. Wenn nun das Cantharidinpflaster einen “Aderlass am Lymphsystem” darstellt sowie der Aderlass Blut aus dem Körper entfernt, wird durch das Cantharidenpflaster Lymphe dem Körper entzogen. Das Cantharidenpflaster wirkt deshalb auf das Lymphsystem. Es führt zu einem vermehrten Blutandrang am Ort des Pflasters. Weiterhin wird eine leichte Entzündung erzeugt, die bei manchen Patienten leichtes Fieber hervorrufen kann. Das Cantharidenpflaster führt zu einer Vermehrung der Harnausscheidung. Es wirkt schmerzstillend und krampflösend. Von naturheilkundlichen Ärzten wurde es immer wieder eingesetzt, um den Menstruationsfluss zu fördern. Heute wird das Cantharidenpflaster bei schmerzhaften Entzündungen im Bereich großer Gelenke angelegt. Dies ist häufig bei rheumatologischen Erkrankungen eine wesentliche Indikation. Es muss darauf hingewiesen werden, dass die Blase häufig mit starken Pigmentierungen bzw. Narbenbildungen abheilt.
Grenzen der Methode
Das Cantharidin hat nierentoxische Wirkung, sodass die Anwendung bei Patienten mit Nierenerkrankungen kontraindiziert ist. Die Anwendung darf nur durch einen erfahrenen Therapeuten erfolgen.
