Klimatherapie und Heliotherapie

Entstehungsgeschichte, Prinzipien und Theorie

Der Einfluss von Wetter und Klima auf den Menschen war den Ärzten schon vor über 2000 Jahren bekannt, hat sich aber nach der Eröffnung der Kinderheilstätte in Davos 1842 manifestiert.

Klima bedeutet: Die Gesamtheit der Witterung eines längeren oder kürzeren Zeitabschnitts an einem bestimmten Ort. Das Wetter hingegen ist ein sich permanent ändernder Zustand.

Klimatherapie

Zur Therapie gehört die Ausschaltung belastender Klimafaktoren wie Verunreinigung der Luft, kalte bzw. warme feuchte Luftinversionen, Nebel und schwüle Luft.

Die Klimatherapie gehört ebenfalls zu den klassischen Naturheilverfahren. Die sog. Aerotherapien beruhen auf einem dosiert zunehmenden Aufenthalt an der frischen Luft, der meist mit der Bewegungstherapie kombiniert ist. Ein Bestandteil der Klimatherapie ist die Heliotherapie. Die Helio- bzw. Lichttherapie nutzt Sonnenlicht zur Therapie oder Prävention. Sie wird grundsätzlich in Kombination mit weiteren Klimafaktoren durchgeführt. Zu einer Klimakur gehören Liegekuren, Freiluftbäder, Nachtschlafen im Freien und ein Bewegungstraining. Klimakuren trainieren das Herz-Kreislauf-System und die Atmung. Bronchitis, Asthma, Allergien, Hautkrankheiten, Bluthochdruck und Stoffwechselstörungen werden gelindert, der Körper härtet sich gegen Erkältungskrankheiten ab, und nervöse Erschöpfungszustände gehen zurück. Die Heliotherapie besteht aus UV-C unterhalb 280 nm., UV-B 280-315 nm., UV-A 315-400 nm. sowie sichtbarer Strahlung von 380-780 nm. und Infrarotbestrahlung von 780-3000 nm. Die UV-Strahlungsintensität nimmt in der Höhe zu, je 100 Meter ca. 15% und reflektiert im Schnee 85%, Gras 26%, Sand 10-15%, nassen Sand 9% und nasser Erde 3%. Die biophysikalischen Grundlagen der Heliotherapie sind mit der Photobiologie der Haut eng verknüpft. Kleine Teile der Strahlung werden von der Haut absorbiert und reflektiert.

Wirkung und Anwendungsbereiche

Die ausreichende Sonnenbestrahlung spielt eine wesentliche Rolle im Kalziumstoffwechsel des Menschen. Man unterscheidet die Arten der Behandlung, die gänzlich dem natürlichen Sonnenlicht entsprechen, und solche, die speziell die Ultraviolettstrahlen A und B des Sonennlichts beinhalten. Die ausgewählte UVA- und UVB-Therapie ist nicht nur für Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Schuppenflechte und Akne sinnvoll, hier wird auch eine Wirkung bei Patienten mit nachlassender Herztätigkeit und der Stärkung des Abwehrsystems zugeschrieben. Die Behandlung mit dem Spektrum des sichtbaren Sonnenlichts wird direkt mit offenen Augen am Patienten angewandt. Sie bietet sich besonders bei jahreszeitlich bedingten Depressionen, der sog. saisonalen Depression, sowie zur Verbesserung des Allgemeinbefindens und besonders bei Schlaf-Wach-Störungen an. Die UV-B und UV-C Strahlung beeinflussen die Proteinsynthese durch Aminosäurewandlung. UV-B-Strahlung führt zur Umwandlung von 7 Dehydrochlosterin in Vitamin D3 und zur indirekten Pigmentierung. Sie führt bei hoher Dosierung zum Sonnenbrand.

Die UV-A-Strahlung erreicht in relativ hoher Dosis das Gefäßsystem und führt mit Medikamenten im Kreislauf zu Wechselwirkungen (Antihistaminika, Psychopharmaka, Sulfonamide). UVA-Strahlung führt zur direkten Pigmentierung, zu degenerativer Altersathrophie der Haut mit Kollagenveränderung (Hautalterung und Faltenbildung).

Die Dosierung der UV-Strahlung ist variabel in Bezug auf den Hauttyp:

Typ I – (blond-rote Haare, blaue Augen) bekommen Sonnenbrand und keine Pigmentierung.

Typ II – bilden Erythem mit geringer Pigmentierung.

Typ III- bekommt selten Sonnenbrand, wird deutlich pigmentiert.

Typ Iv – bekommt nie Sonnenbrand, wird deutlich pigmentiert.

Typ V – stark pigmentiert (sind europäischer Typen)

Typ VI- Angehörige der negroiden Rasse.

Therapeutisch gilt als allgemeine Regel: Niedrigste Dosis, Erythem vermeiden, bei Hauterkrankung bestrahlen bis erscheinungsfrei, dann ausschleichende Therapie, bei häufigem Bestrahlen die Einzeldosis gering halten.

Die Bestrahlung erfolgt täglich oder jeden 2. Tag, die Dosis sollte max. bis zur Rötung ersten Grades gesteigert werden.

Indikationen:

Juckende Dermatosen, chron. rezidivierende Urtikaria, atopische Neurodermitis, nicht Gewöhnung im Winter und Frühjahr bei Lichturticaria, rheumatoide Arthritis, Vitiligo, Bluthochdruck, Atemwegserkrankung (adjuvant), zur Prävention und Resistenzsteigerung, Osteomalazie, Rachitisprophylaxe im Kindesalter, nicht aktive Tuberkulose.

Bei der Photo-Therapie (Photobalneotherapie) wird vor der Bestrahlung in Solelösung oder Meerwasser 10-15 Minuten gebadet, dann bestrahlt.

Indikation: Psoriasis, Ichthyosis, atopische konstitutionelle Neurodermitis. Überdosierung führt zum Sonnenbrand.

Grenzen der Methode

Kontraindikationen:

Alle Lichtdermatosen,

Sympathicotone Reaktionslage: offene TBC, Schilddrüsenüberfunktion, Ulcus ventriculi und duodeni.

Dekompensationszustände: Kreislaufkollaps, akute Nephritis, Kachexie, starke Menstruationsblutung, Exacerbation von Schuppenflechte, Lichen ruber, Pityriasis rosea und Porphyrie.

Risiken durch übermäßige Anwendung:

Forcierte Faltenbildung, neoplastische Veränderungen, Melanome.